Ich wollte meinen Augen kaum trauen, als ich Anfang Oktober 1997 im Mannheimer Prinz Medienhaus (jaja, das gab's damals noch...) eine Ankündigung für eine Lesung von Terry Pratchett entdeckte. Wahnsinn! Leider waren die Karten bereits alle ausverkauft, allerdings sollte es an der Abendkasse noch einige Karten geben.

Und so stand ich am 15.10.1997 gegen 19:00 Uhr vorm Seiteneingang des Prinz Medienhauses. Zunächst so ziemlich alleine, mit der Zeit kam aber eine ganz beträchtliche Menschenmenge zusammen.

Als dann um 20:30 Uhr Einlass war, war das Erdgeschoss des Prinz Medienhauses ruck zuck mit Pratchett Fans gefüllt. Kurz darauf ging's dann auch schon los: Terry persönlich betrat die behelfsmäßig zusammengezimmerte Bühne.

Anstelle einer Begrüßung fragte er: "Verdient hier irgendjemand sein Geld mit Computern?" Als dann verhalten ein paar Hände hochgingen, meinte er: "OK, ich werde versuchen langsamer zu sprechen!". Damit erntete er schon mal die ersten Lacher, und in diesem Stil sollte es dann auch weitergehen.

Terry ist nicht nur ein super Schriftsteller, sondern auch noch ein echt prima Entertainer - witzig, geistreich und schlagfertig. Entgegen der Ankündigung las er nämlich (zum Glück) nicht aus seinem neuesten Discworld Buch vor, sondern erzählte ca. 45 Minuten über alle möglichen Themen:

Wie er zur Fantasy kam, was er beruflich machte bevor er Schriftsteller wurde (die Story über seinen Job als Pressesprecher in einem AKW ist ja inzwischen bekannt), ein paar Anekdoten über seine Schulzeit und seine Lehrer, usw. Praktisch alle seine früheren Lehrer würden übrigens in Discworld-Büchern als Zauberer auftauchen. Und zwar immer genau rechtzeitig um von irgendetwas ekligem gefressen zu werden.

Nach 45 Minuten, in denen er praktisch nichts über die Discworld Bücher erzählt hatte, meinte er dann es sei viel interessanter wenn ihm sein Publikum Fragen dazu stelle. Und die beantwortete er dann weitere ca. 45 Minuten. Und zwar auf eine unheimlich witzige und unterhaltsame Art. Jemand fragte übrigens, wie Terry auf den Charakter Rincewind gekommen sei, worauf er antwortete, er glaube Rincewind basiere auf ihm (Terry) selbst.

Außerdem wurde die Frage gestellt, ob Terry gerne einen seiner Discworld Romane verfilmt sehen würde. Darauf antwortete er, dass das sehr wahrscheinlich in naher Zukunft der Fall sein werde und Ende des Jahres (zur Erinnerung: die Veranstaltung fand 1997 statt!) nähere Details bekannt sein müssten. Das hörte sich alles bereits sehr konkret an (geplant war wohl die Verfilmung von Mort), schade dass bis heute trotzdem nichts draus geworden ist...

Im Anschluss signierte er dann noch Bücher, und zwar von allen Anwesenden die ein Autogramm wollten - und soweit ich es mitbekommen habe waren das alle. Das dauerte dann bis ca. 23:30h.

Bei solchen Veranstaltungen kann man mal sehen, wie viele Pratchett Fans es mittlerweile gibt ? bzw. 1997 bereits gab. Soweit ich weiß waren ca. 350 Personen anwesend, und soweit ich es mitbekommen habe gab es noch eine ganze Anzahl von Leuten, die keine Eintrittskarte mehr bekommen konnten.

Fazit: Ein wirklich gelungener und kurzweiliger Abend, die 90 Minuten Wartezeit an der Abendkasse haben sich auf jeden Fall gelohnt!

© 2017 Wolf Schenk