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Steven

Nix passiert!
Steven am 28.11.2005 um 01:12


Wieder eine Woche rum und nix passiert.
Aufstehen, duschen, essen und ab zur Arbeit. Dort meine Stunden geschoben und zurück nach Hause. Wieder essen, wieder duschen, Sex und etwas lesen vor dem Schlafen.
Und das, die letzten sieben Tage lang, in wiederholender, aber nicht unbedingt exakt gleicher Reihfolge. Ja, das war im Prinzip meine ganze Woche. Nicht spektakulär, aber immer hin wieder etwas näher an die Rente ran. Wann war noch gleich das neue Eintrittsalter? Mit 68 Jahren? 70? Wenn das so weiter geht, werde ich mich wohl erst mit 100 zur Ruhe setzen können. Achtzig Jahre arbeiten... Juhu! Das motiviert ungemein. Vielleicht sollte ich mir Kinder zu legen, die ich nach der Arbeit anschreien kann.
Das war?s, mein Tagebuch... Ach ja! Malotiki hat sich ein neues Auto gekauft. Eine Scheißkarre vor dem Herrn! Ein Ford Taunus in Bonbonblau mit kotzgrünen Streifen an der Seite und unzähligen Kratzern im Lack. Der Boden ist total verrostet, die Frontscheibe an zwei Stellen gesplittert und er hat nur noch eine Radkappe. Und das waren nur die Sachen, die ich auf dem ersten Blick gesehen habe!
Malotiki wollte natürlich wissen, was ich von seinem neuen Auto halte.
"Sieht gut aus," sagte ich und er: "Nicht wahr?"
"Yep," erwidere ich und weil mir nichts anderes einfallt: "Nen'echter Klassiker!"
Und Malotiki hört gar nicht mehr auf, von seiner neuen Karre zu schwärmen. Hat den Taunus von einem Kumpel gekauft, der ihn ursprünglich wieder aufbauen wollte. Erst jetzt bemerkte ich den fetten Sportauspuff, vorne die Schalensitze und natürlich Malotiki's Formel-1-Lenkrat aus seinem alten Opel.
Seinem Kumpel ist das Geld ausgegangen und deshalb hat er Malotiki den Taunus abgetreten. Für wie viel, wollte Malotiki nicht sagen. Hat wahrscheinlich schon geahnt, dass egal was er bezahlt hat, es definitiv zu viel war und ich muss ihm im Stillen recht geben. Vermuttlich wollte sein Kumpel sich nur die Verschrottung sparen.
"Was willst du als Erstes machen?" frag ich ihn.
"Die Lackierung," antwortet er stolz.
Ich sehe ihn erstaunt an. Selbst die billigste Lackierung würde immer noch mehr kostet, als der Taunus samt Sportauspuff und Formel-1-Lenkrat zusammen wert ist.
"Echt?"
Er ahnte schon, wie ich das meinte.
"Mach ich selbst. Brauch nur noch die Farbe kaufen und den Rost abschleifen."
Selbst die Farbe ist mehr wert als der Schrotthaufen.
"Pass aber auf, wenn du den Rost entfernst. Das scheint das Einzigste zu sein, dass den Ford noch zusammenhält," rate ich ihm.
"Ha-ha!" lachte Malotiki beleidigt.
Er hat nicht mitbekommen, dass ich das völlig ernst gemeint habe. Nebenbei erzählte er mir, dass er seinen alten Opel verkauft hat.
"Und womit fährst du jetzt?" fragte ich ihn darauf hin.
Er kuckt mich sauer an und knallt seine Hände auf das Autodach.
"Na hiermit!"
"Glaub ich nicht," sagte ich ihm ins Gesicht und zeige auf das Nummerschild. "Der TÜV ist seit einem halben Jahr abgelaufen."
Panisch starrt er auf die uralte TÜV-Plakette. Ich musste grinsen, als ich kapierte, dass er das noch gar nicht gemerkt hatte. Also Malotiki hat ja schon einige bekloppte Sachen gemacht... Als wir aus dem Kosovo zurückkamen, wollte er unbedingt "etwas erleben" und ich musste mit, weil er sich allein nicht traute. Er hat 200 DM für den Besuch bei einer professionellen Dame ausgegeben und nochmal 100, damit sie nicht herum erzählt, dass er keinen hoch bekommen hat.
Später hat er mir doch davon erzählt und mich gefragt, ob das normal sei. Ja, hab ich damals gesagt, das ist vollkommen normal... Aber ein Auto zukaufen, ohne sich den TÜV zeigen zulassen, ist echt die Härte!
Wir haben uns dann den Taunus von innen angesehen. Ich hab ja keine Ahnung von Autos, aber irgendwie bezweifelt ich stark, dass der verbrannte Klumpen Altmetall jemals auch nur im Ansatz ein echter Motor gewesen war. Die Bremsen hingen nur noch an zwei dünnen Drähten, etliche Schläuche waren mit Klebeband abgedichtet und wenn ich mich nicht irre, war der Tank mehr als einmal geschweißt worden. Kein gutes Zeichen.
Wenn ich meiner Expertise vertrauen konnte, bestand die einzigste Chance, das Malotiki seine Plakette bekommt, darin, dass die TÜV-Prüfer stock besofen waren oder einen überragenden Sinn für Humor besaßen und das entsprach eigentlich nicht meiner persönlichen Erfahrung.
Wir beschlossen den Taunus bei Malotiki?s Eltern unterzustehen und riskierten die kurze Fahrt dort hin. Nach einer halben Stunde stellten wir fest, dass die Strecke doch nicht so kurz war und dass die Polizei uns verfolgte. Und natürlich haben sie uns prompt angehalten. Wir brauchten nicht lange zu diskutieren, es war klar, was sie von uns wollten.
"Wir sind gerade unterwegs zum TÜV," sagten Malotiki und ich gleichzeitig, ob wohl wir beide ganz genau wussten, dass sie uns nicht glauben würden.
Erstaunlichweise haben sie uns geglaubt.
Einer der Beamten grinste und sagte, dass er uns zwei Straßen früher still gelegt hätte, aber da wir ja praktisch schon da sind, lässt er uns noch mal laufen.
Wir sahen uns kurz an und dann den Block hinunter. Da war er... der TÜV.
Die Polizei hat uns freundlicherweise bis zu ihnen begleitet und parkten genau vor dem Eingang. Uns blieb nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen.
Nun, mein Tagebuch, was glaubst du, wie ist die Sache ausgegangen?
Die Jungs vom TÜV haben gar nicht mehr aufgehört zu meckern, aber Malotiki hat seine Plakette schließlich mit etlichen Auflagen doch bekommen.
Hab ja gesagt, dass ich keine Ahnung von Autos habe.

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