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Steven

Von Hasen und Menschen
Steven am 17.04.2006 um 15:41

Jedes mal wenn ich frei habe, klingelt es bei mir an der Tür und der Briefträger bringt ungefähr ein Millionen Pakete, Päckchen und fette Umschläge vorbei. Natürlich nicht alle für mich, sondern ausschließlich für die liebe Nachbarschaft. Ich komm mir schon selbst vor wie ein Briefträger. Einmal bin ich einer Nachbarin zwei Wochen lang hinterher gerannt, nur um dann zu hören, dass sie das Scheißpaket gar nicht haben will. Spätesten da hätte ich einen Schlussstrich ziehen sollen, aber ich kann einfach nicht "Nö!" sagen.
Doch kommt nur einmal... NUR EINMAL in vielleicht einer Billiarden Jahre (oder noch seltener) ein klitzekleines Päckchen für mich an, dass vielleicht nur um wenige Millimeter (Ach was! Hundertstel!) zu breit für den Briefkasten ist... ZACK! ist nicht einer meiner tollen Nachbarn bereit es für mich anzunehmen.
Was meinst du, liebes Tagebuch? Ich bin ungerecht? Meine Nachbaren waren möglicherweise ALLE außer Haus? Arbeiten und so.
Schon möglich, wenn du in einem "normalen" Haus mit "normalen" Leuten wohnen würdest, aber nicht in so einem verdammten Neubaublock wie unser eins!
"Schatz," sag ich, "Lass uns doch nach Mitte oder wenigstens nach Kreuzberg ziehen" sag ich.
"Nö" sagt sie "Da sind die Mieten doch so hoch!" ( In Wahrheit will meine Schnecke nicht mehr nach Mitte zurück, weil sie von ihrer alten GirlyGang genug hat. Natürlich darf ich das nicht wissen. Ist ihr peinlich. Allerdings ist das nur sehr schwer zu verheimlichen, wenn ihre Ex-Freundinnen regelmäßig bei uns übernachten. Weiber!)
Nein, unsere lieben Nachtbarschaft besteht zum größten Teil aus Frührentnern... Zu meist wegen altersbedingter Arbeitsunfähigkeit, wie z.B. chronischen Rückproblemen. Was sicherlich schlimm ist, wäre nicht gut die Hälfte der Betroffenen unter dreißig ... und Harz VI-Empfänger, was überhaupt nicht schlimm ist. Ich kenne Viele, die trotz Vollzeitjob noch Stütze beantragen müssen, um ihre Lebenskosten zu decken. (Wird wirklich Zeit, dass Mindestlöhne eingeführt werden!)
Nein, schlimm ist es nur, wenn man überhaupt nicht mehr bereit ist, arbeiten zu gehen, weil man ja nicht den Job bekommt, den man gern hätte. Beispiel: meine Nachbarin, der ich zwei Wochen hinterher gerannt bin. Sie würde gern wieder in ihren alten Beruf zurück. Natürlich nicht als "einfache" Sekretärin und mit einem Anfangsgehalt von wenigstens 2000 Euro. "Wie früher!" sagt sie. "2000? - Euro? - Netto?" frage ich. "Sicher!" antwortet sie ohne zu zögern, man kann sich ja schließlich nicht unter Wert verkaufen.
Wie bitte? Warum, wenn meine Nachbarn alle zu Hause sind, muss ich dann noch ihre Pakete annehmen? Nun, das wüsste ich auch gern, liebes Tagebuch. Vermutlich weil meine Nachbarn keinem mehr, der nicht einen richterlichen Beschluss vorweisen kann, die Tür aufmachen!
Aber genug von meiner Nachbarschaft! Der Punkt ist, dass ich heute los musste, um meine Sendung von einer Paketstadion abzuholen. So weit war es ja nicht, nur etwa zehn Minuten Fußweg.
Auf dem Rückweg kam ich an einer Grünfläche vorbei. Immer noch in meine Gedanken versunken, bemerkte ich plötzlich in den Augenwinkel eine rasche Bewegung. Blitzschnelle rollte ich mich auf dem Boden ab, riss meinen Lasersäbel aus der Jackentasche und nahm die Kranichstellung ein, um jeden Angriff mit tödlicher Präzision zu beantworten (Nein, nein! Ist nur Spaß. Es war natürlich die Drachenklauenstellung.). War allerdings kein wahnsinniger Kettensägenmörder, den ich bemerkt hatte, sondern nur ein Hase (Im Osten Berlins, beides keine Seltenheit.).
Meine heidnische Seele machte vor Freude einen Hüpfer. Doch viel hatte ich nicht von dem Osterboten, er wurde verfolgt... von einem Wolf. Ich musste zwei mal hinsehen, weil ich zuerst dachte, es wäre ein verwahrloster Schäferhund. Doch meine Expertise, geschult durch den Bio-Leistungskurs 10. Klasse, ließ keinen Zweifel offen. Es war tatsächlich ein Wolf und er jagte einen Hasen (In Deutschland ist das an sich ja schon ein wirklich seltenes Bild, doch im Berlin(!?), hat das mit Sicherheit niemand mehr seit zweihundert Jahren gesehen.) Vorsichtshalber nahm ich die Tiger-kurz-vor-dem-Sprung-Stellung ein (Man weiß ja nie.) und beobachtete die Situation.
Der Lümmelmann hatte keine Chance, der Wolf war zu schnell und unglaublich hartnäckig. Aber plötzlich, im Angesicht des sicheren Todes, änderte der Verfolgte seine Taktik. Er sprang vom Rassen herunter und überquerte die Straße. Der Wolf ihm nach, doch kaum war er auf dem Gehweg, da stoppte der zottige Jäger und hielt inne. Er drehte sich einmal im Kreis, krümmte sich und legte mitten auf dem Weg ein Ei (War also doch ein Hund. Ich kenne zu mindestens kein anderes Tier in Berlin, bei dem der Schließmuskel automatisch versagt, sobald er in die Nähe eines Gehwegs kommt.) Eine Weile betrachtet er stolz sein Werk, doch dann fiel ihm wieder ein, dass er noch etwas zu erledigen hatte. Der Hase war natürlich schon längst weg und mir wurde plötzlich bewusst, dass ich an meinem freien Tag einem Hund beim Scheißen zu sah. Also weiter.
Mmmm... Trotzdem. Die Szene war irgendwie wie aus einem Traum. Möchte mal wissen, was so ein Psychologe dazu sagen würde? Die haben ja Ahnung von Traumdeutung und so. Nur war es kein Traum. Vielleicht aber eine Omen. Doch war es ein Gutes oder Schlechtes?
Mhhmmmm... mal sehen. Der Gejagte entkommt dem Jäger ? Gut, würde ich sagen. Der hungrige Wolf muss weiter hungern ? Schlecht, oder?
Das ist wieder so eine Ansichtssache, die im Grunde nur mit der Zeit geklärt werden kann. Also, ab nach Haus... Und siehe, die Sache wurde geklärt. Mein alter SU vom Bund war vorbei gekommen und klärte mich darüber auf, dass es Unregelmäßigkeiten in meinen Unterlagen gab und das ich deshalb mit sofortiger Wirkung wieder eingezogen bin.
Wir lachten.
Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich ihn sah. Fast zwei Jahre und damals lag er im Krankenhaus, wo man ihm den Fuß abgenommen hatte.
Er hat damals großes Glück gehabt, wenn man bedenkt, dass man ihn aus seinem Auto raus schneiden musste. Danach hatten wir noch ein paar mal telefoniert, aber uns nicht mehr gesehen.
Ich freute mich, dass es ihm offensichtlich besser geht, allerdings braucht er immer noch zwei Stützen zum gehen, und das nach anderthalb Jahren Reha. Was mich jedoch wirklich erstaunte, war, dass er zur Zeit seinen Küchenmeister macht und das mit der vollen Unterstützung der Berufsgenossenschaft, wie er mir versicherte.
Ich erinnerte mich, dass er auch schon früher davon gesprochen hatte, aber das er immer noch vor hat in der Küche zu arbeiten, halte ich, ehrlich gesagt, für unrealistisch. Der Beruf des Kochs (auch der des Chefkochs) wird überwiegend im Stehen ausgeübt und wie will er das schaffen, wenn er (trotz Protese und Reha) noch nicht einmal eine halbe Stunde am Stück laufen kann.
Das sagte ich ihm auch, was er ziemlich schlecht aufnahm.
Nun gibt es etwas, dass ich bei meinen behinderten Mitmenschen schon sehr oft beobachtet konnte. Einerseits möchten sie als Vollwertig anerkannt werden (Was, denke ich, in Ordnung geht.), anderseits, wenn man dann tatsächlich mit ihnen Klartext redet, fühlen sie sich verdammt schnell angepisst.
Einmal hatte ich Frühdienst und geriet auf dem Heimweg genau in den abendlichen Berufsverkehr. Ich musste über eine Fußgängerüberführung, die von Leuten förmlich übersät war. Trotzdem, selbst nach deutschen Verhältnissen lief alles sehr diszipliniert ab. Auf der rechten Seite ging es in zwei Reihen vorwärts und auf der Linken kamen mir die Fußgänger in zwei Reihen entgegen. Natürlich kam niemand besonders schnell voran, aber ich hatte es auch nicht eilig.
Wie aus dem Nichts, tauchte plötzlich ein Rollstuhlfahrer genau in der Mitte der Brücke auf (Wie aus dem Nichts, ist so nicht richtig. Ich hatte ihn schon bemerkt, da die Leute vor ihm hastig zur Seite auswichen.) und raste auf mich zu (Also mit rasen, meine ich etwa doppelte Schrittgeschwindigkeit, was allerdings auf einer überfüllten Brücke unverhältnismäßig schnell ist.). Es gelang mir nicht, ihm noch rechtzeitig auszuweichen und er bretterte mir genau über den linken Fuß.
"He!" schrie ich wütend. "Pass doch auf, du Arsch!"
Ich gebe zu, dass war nicht unbedingt "nett" von mir, jedoch für Großstadtverhältnisse eine durchaus angemessene Reaktion.
Der Rollstuhlfahrer hielt abrupt an und drehte sich halb zu mir um.
"Wie bitte?" fragte er mich herausfordert.
"Du hast mich schon beim ersten Mal verstanden,"erwiderte ich. "Auch Krüppel haben Rücksicht auf ihre Mitmenschen zunehmen!"
Wie gesagt, ich war wütend.
Der Rollstuhlfahrer fluchte sofort los, keine Spur von Selbstkritik oder einem schlechten Gewissen.
Sicher, auf Behinderte muss man Rücksicht nehmen, aber wie sieht es andersherum aus?
Vor noch gar nicht so langer Zeit (Um genau zu sein, vor etwa neun Jahren. Mir ist einfach kein anderer Übergang eingefallen.) war ich Essen kaufen und bemerkte, dass eine "gut beleibte" Dame in einer elektrischen Gehhilfe (Keinem Rollstuhl! Da gibt es wohl Unterschiede. Und mit "gut beleibt" meine ich: Fett! Sie war so fett, dass das Fett schon an den Seiten herunter hing. Das ist keine sarkastische Übertreibung, sondern lediglich ein Beschreibung des Gesehenen.) auf mich zu rollte. Natürlich hielt ich für sie die Tür des Supermarktes auf , was die Dame mit Nichtachtung quittierte.
"Blöde Kuh," flüstere das böse Teufelchen auf meiner Schulter mir leise ist Ohr.
Obwohl ich ihm ins Geheim Recht gab, ignorierte ich noch seinen Spruch.
Derweil schob eine Verkäuferin die Drehtür am Eingang zur Seite um die Dame in ihrem Gefährt hinein zulassen. Und immer noch nicht konnte ich die kleinste Spur von Dankbarkeit an ihr bemerken. Im Gegenteil, sie regte sich darüber auf, dass sie "so lange" warten musste, dabei murmelte sie irgendetwas von "nicht behindertengerecht".
Ich war mir immer noch unschlüssig, was ich davon halten sollte. Im Gegensatz dazu, hatte sich das Teufelchen auf meiner andern Schulter bereits eine Meinung gebildet und wetterte los.
"Die führt sich ja auf wie die Königin von England," meinte er und ich konnte ihm nicht wirklich wiedersprechen. Es fehlte nur noch die Krone und das Zeptar.
Ja, liebes Tagebuch, du hast richtig gelesen, ich habe zwei Teufelchen, die mein "Ich" repräsentieren. Ein böses und ein nicht ganz so böses. Der Engel hat den Job nach einer Woche aufgegeben (Warum nur?).
"Komm schon," sagte das nicht ganz so böse Teufelchen. "Es ist nicht sehr angenehm, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Das würde den Boss auch verrückt machen."
Das stimmt, räumte ich ein.
"Ach was!" lachte das böse Teufelchen auf. "Wahrscheinlich kann die noch super laufen und ist einfach nur zu faul."
Das war sogar für mich zu hart und ich zählte ihn an. In diesem Augenblick hechtete die Dame aus ihrer Gehhilfe (Wobei die Betonung hierbei auf "hechtete" liegt. "Hechtete", wie: Der zwölfjährige Junge "hechtete" in den Badesee.), schnappt sich aus dem obersten Regal eine Tüte Kartoffelchips und wirft sie in ihren kleinen Einkaufskorb (Die Betonung liegt hier auf "wirft", wie: "Air Jorden setzt zum Dreipunktewurf an, er "wirft" und... VERSENKT IHN!").
Ich und mein nicht ganz so böses Teufelchen waren sprachlos und ich blickte erwartet das Böse an, um mir seinen fiesen Kommentar anzuhören, doch er war noch viel sprachloser.
Was sagst du, liebes Tagebuch? Das ist grammatikalisch falsch? Man kann nicht weniger sagen als Nichts? Der Duden und sämtliche Deutschlehrer werden dir sicherlich recht geben, aber dem Leben ist die deutsche Rechtschreibung herzlich egal. Es gab schlicht und einfach keine andere Beschreibung dafür. Ich und die Personifizierung meiner Selbst waren sprachloser als sprachlos. Es war viel mehr so, das jedes vorangegangene Wort wieder aufgesogen und der Erinnerung der Gegenwart entrissen wurde.
Sie bemerkte meinen Blick, der zweifellos in diesem Moment völlige geistig Leere widerspiegelte und meinte grinsend: "Ich brauch auch mal was zum knapperen, bin ja schließlich nicht auf Diät!"
"Wäre sicherlich besser, sie würden mal Diät machen. Dann hätten sie vielleicht doch noch ne' Chance Fünfzig zu werden," erwiderte ich, immer noch mit der geistigen Leere kämpfend, die sich, durch den vorangegangen Schock wie ein Dunztwolke über mich gelegt hatte.
Ohne Zweifel nichts als die Wahrheit. Und? ... Sie regt sich sofort auf.
Und noch einen Begebenheit. Ich stehe am Bahnhof und bin sauer, weil ich spät dran bin. Da quetscht mich einer von der Seite an und fragt mich, welcher Stadion das hier ist.
Eine reichlich dämliche Frage. Erst mal, stehen wir genau neben einem riesigen Schild mit allen nur denkbaren und undenkbaren Informationen (Jetzt mal ehrlich, wer will schon wissen, dass Bier trinken den Regenwald rettet oder das eine gewisse Versicherung nur das "Beste" von... äh, für uns will?). Ist er vielleicht blind? Und irgendwie muss er ja hier gelandet sein und außerdem... Was fällt dem Typen ein ausgerechnet mich anzuquatschen! Sehe ich vielleicht aus wie die verdammte Auskunft? (Nichts gegen die Auskunft, aber 120 Cent pro Minute ist echt unverschämt!)
Auf Grund meiner unglaublichen rhetorischen Fähigkeiten gelingt es mir, dies alles in einem einzigen Satz zu formulieren und Glasklar auf den Punkt zu bringen.
"Wat?!" fahre ich ihn an und sehe zur Seite.
Ziemlich schnell wird deutlich, dass er wirklich blind ist. Seine Augen sind von einem weißgrauen Schleier überzogen und die eine Pupille blickte hinauf zu den Tauben direkt unter dem Dach der Haltestation, während das andere der weilen ihre Hinterlassenschaften auf dem Betonboden betrachtet.
Ich soll bitte nicht böse sein, aber er hat sich verfahren und braucht Hilfe um die richtige Bahn zu erwischen.
Ich bin nicht böse, behauptete ich einfach mal und verbannte meine beiden lässtigen Teufelchen zurück in ihre Käfige. Naja, danach klärte sich alles erstaunlich schnell auf und ich schickte "die blinde Nuss" (Seine Worte, nicht meine!) wieder auf Reisen.
Wie bitte, Tagebuch? Was mich daran stört? ... Gar nicht! Er war ein sehr freundlicher junger Mann und wir haben uns wirklich gut unterhalten. ... Was das nun mit meiner vorangegangen Behauptung, "dass Behinderte sich schnell angepisst fühlen" zu tun hat? ... Ja Moment! Das ist keine generelle Eigenschaft unserer behinderten Mitmenschen, viel mehr eine subjektive Beobachtung meinerseits, die ich in ihrer Gegenwart häufiger gemacht habe (Ich räume gern ein, dass so genannte "normale" Menschen sich genauso schnell angepisst fühlen und das mir diese negative Eigenheit bei Behinderten nur wegen ihrer Auffälligkeit in der Öffentlichkeit besonders ins Auge sticht. Da das aber meine vorangegangen Zeilen ab absurdumum führen würde, ignoriere ich das einfach mal.). Und außerdem, was fällt dir ein, mich ständig zu unterbrechen! Da komme ich ja nie zum Punkt! Ich bin nämlich noch gar nicht fertig.
Also wir reden und irgendwann sagte er, dass er gerade von der Arbeit kommt. Ich bin erstaunt und meine, dass es wichtig ist, sich mit etwas zu beschäftigen und das ich auch schon mal, so'ne Decke gekauft habe (Stimmt wirklich. Ich brauchte was zum Muttertag und hab erzählt, dass ich das Teil selbst gemacht habe. Da meine Mutter meine handwerklichen Fähigkeiten allerdings sehr gut kennt, vermute ich mal, dass sie mir das ?nicht ganz? abgenommen hat.).
Und schon ist er angepisst!
Er widerspricht mir entschieden und erklärt mir, dass er "richtig" arbeiten geht. Mit Schichtdienst und Gehalt und allem. In einer Behindertenwerkstatt, 8 Stunden täglich, 5 Tage die Woche und mit einem Solplan, den sie unbedingt einhalten müssen. Zwar wird die Werkstatt vom Staat gesponsort und er bekommt noch eine Rente, trotzdem ist das bestimmt keine Beschäftigungstherapie und außerdem macht er noch eine Vorbildung zur Schreibkraft.
Tatsächlich dachte ich bisher, dass sie in solchen Behindertenwerkstätten "nur" ein paar Stunden in der Woche bei Kaffee und Kuchen und Blümchenmusik Bilder und so malen. Aber das sie richtig Umsatz machen müssen, habe ich nicht gewusst.
Er grinst und meint, dass viele das denken und außerdem hören sie meist Rammstein bei der Arbeit.
Das Problem, das viele "normale" Menschen mit Behinderte haben, beruht nicht darauf, dass die Normallos alles gefühllose Arschlöcher sind (Das kommt in einigen Fällen noch erschwerend hinzu.), sondern das sie gerade versuchen keinen Fehler im Umgang mit Behinderten zu machen. Was allerdings meist dazu führt, dass sie Angst haben falsch zu reagieren und deshalb dazu neigen ihre behinderte Mitmenschen zu ignorieren.Das ist Falsch und feige! Lieber lege ich mich doch mit allen Krüppel dieser Welt an, als so zu tun, als gebe es sie nicht, denn egal wie angepisst sie auch seinen mögen, irgendwann ist alles vorbei und man ist sich wieder ein Stück näher gekommen.
Meinem ehemaligen SU war durchaus bewusst, dass es für ihn sehr schwierig werden wird in die Küche zurück gehen, wahrscheinlich sogar unmöglich. Doch das ?kochen? ist nun mal sein Leben und alles was er kann. Und lieber läuft er einem Traum hinterher, als zu Hause auf der Couch rumzuhängen und immer fetter zu werden. Und wer weiß schon, wie sich die Sache weiter entwickeln wird, vielleicht bekommt er einen Job in dem er seine Qualifikation und Berufserfahrung mir einbringen kann. Man soll niemals den Gelegenheiten nachtrauern, die man verpasst hat, sondern mit den glücklich werden, die man bekommen hat. Schließlich soll ich immer daran denken: "Hät der Hund nicht geschießen, hät er nen Hasen gekriegt."
Ich bin verblüfft. Woher wusste der SU das nun schon wieder?

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