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Steven

Das Leben ist schön!
Steven am 17.11.2005 um 22:43

Heute musste ich an Sascha denken. Er hatte mir mal sagt, "Das Leben ist eine einzige Feier! Drinke, solange du kannst und feiere, auch wenn die Musik aus ist."
Das war ein halbes Jahr, bevor er herausfinden wollte, wie weit sein Honda fliegen kann. Zwanzig Meter hat er geschafft.
Als wir ihn runtergelassen haben, lief "Come Back". Wollte er so. Sascha hatte immer schon einen eigenartigen Sinn für Humor. Ich musste einfach an ihn denken, als ich heute die neue Scheibe der Foo Fighters seiner Lieblingsband in den Händen hielt.
Er wollte nie älter als dreizig werden und jede Minute davon genießen. Und er war jemand, der immer sein Wort hielt.
Sascha hat in jedem Fremden einen Freund gesehen, in jeder Frau ein Abenteuer und jedes Treffen wurde, dank ihm, zu einer Riesenparty. Mit einem Freund wie ihm wird es wirklich nie langweilig.
Ich hab schon vor, etwas älter zu werden als er, aber jedes Mal, wenn es mir mal richtig dreckig geht, denke ich an ihn und die Art und Weise, wie er das Leben gesehen hat. Dann perlen die Probleme wie Regentropfen an mir ab und ich möchte voll lauter Lebensfreude nur noch schreien.
Manchmal mache ich es sogar!

Nach dem ich aus dem Plattenladen raus war, lief ich noch ziellos im Kaufhaus herum und hab mir PCspiele angesehen. Da sah ich plötzlich so einen kleinen Scheißer, der eine X-Box bearbeitet. Ich stellte mich hinter ihn und beobachte ihn eine Weile. Er war hoch konzentriert bei der Sache und bemerkt mich nicht. Gerade als er seinem Kuck-mal,-was-für-einen-langen-Schwanz-ich-habe!-BMW in eine neunzig Gratkurve lenkte, hielt ich ihm die Augen zu.
Obwohl ich lachte, war er ziemlich sauer und haute nach mir. Ich drehte mich blitzschnell um und fing seinen schwachen Schlag mit meiner linken, durchtrainierten Pobacke ab. Dabei machte ich ein Pups-Geräusch. Da musste auch der halbe Meter lachen.
Natürlich hab ich ihn zu einem Duell herausgefordert und wir legten sofort los. Ich hatte ganz schön zu tun, aber habe ganz gut mit gehalten können. Kurz vorm Ziel haut der kleine Scheißer sein Nitro rein und zog an mir vorbei.
Wow! Wusste gar nicht, dass wir dat überhaupt hatten! Glücklicherweise kamen dann noch ein paar enge Kurven und ich holte auf. Dabei verbrauchte ich mein gesamtes Nitro, aber ich überholte und lag um eine Fahrzeuglänge vorne. Hundert Meter vorm Ziel aktiviert der Kleine noch mal seinen Buster.
Dieser kleine Mistkerl! Er hatte sich noch etwas für den Entlauf auf gespart! Aber nicht mit mir! Als er genau neben mir war und vorbei rauschen wollte, rammte ich ihn und er krachte mit dreihundert Kilometer die Stunden in eine Betonmauer. Seine Karre ging sofort in Flammen auf und ich gewann!
Was für ein Sieg! Ich gegen einen Achtjährigen! Der größte Sieg seit Menschengedenken! Ach was... Der größte Sieg aller Zeiten überhaupt!
Ich muss schon sagen, der Kleine hat seine Niederlage wie ein (halber) Mann weggesteckt. Nach dem er seinen Kontroller gegen den Plasmaschirm geknallt hatte, weinte er nur noch etwas vor sich hin. Naja, ein paar Pups-Laute meinerseits und die Sonne ging wieder auf.
Weiß gar nicht, warum man solange studieren muss, um Pädagoge zu werden. Wenn man einige peinliche Körpergeräusche künstlich erzeugen kann, hat man die Brut doch Ruck-Zuck im Griff. Also, wenn man mich unter Kleinkinder aussetzten würde, wäre ich innerhalb einer Woche der König des Kindergartens.

Ich dann ab in die Bahn und weiter Richtung Heimat. Da sehe ich zwei total süße Mädchen vor mir. Okay, vielleicht etwas jung, aber kucken wird ja erlaubt sein. Ich sehe sie also an und lächle. Nach einer Weile bemerken sie mich und senken verlegen die Blicke. Ich lächle weiter. Sie tuscheln leise und nach ne?paar Minuten fragten sie mich, ob ich was will.
"Nö," sagte ich. "Ich schau mir nur gern schöne Sachen an."
Und, mein Tagebuch, was glaubst du ist dann passiert?
Die beiden sind Rot geworden! Unglaublich!
Wir haben uns dann noch nett unterhalten, bis ich aussteigen musste. Mann, was bin ich da gut drauf gewesen!

Zu Hause riss ich die Tür auf und stürmte ins Wohnzimmer. Meine Schnecke lag träge auf der Couch und lass gelangweilt irgendein Magazin. Ich sagte ihr, sie sollte sich was anziehen, wir gehen jetzt aus.
Meine Schnecke wollte nicht, weil es draußen ja schon so kalt war und fragte mich statt dessen, ob wir uns nicht lieber mit einer Tüte Kartoffelchips einen schönen Fernsehabend machen wollten.
Ich setzte mein WAS!-Du-hast-meine-gesamten-Porno-DVD-weggeworfen!-Gesicht auf und antworte ihr langsam: "Schatz, sag so etwas Schreckliches nie wieder!"
Dann packte ich sie mir und hob sie hoch. Sie zappelte und kreischte wie verrückt, und leider musste ich feststellen, dass sie etwas zu gelegt hatte. Natürlich sagte ich ihr das nicht und schließlich gab sie auf.
"Ich mach mich noch hübsch," sagte sie und wollte ins Bad.
Ich hielt sie fest und zog sie ganz dicht an mich heran. Ich blickte in ihre Augen, lächelte und sagte: "Es gibt nichts, das hübscher ist als du."
Na, Tagebuch, was ist dann passiert? Genau! Sie ist Rot geworden! Wahnsinn!
Verstehe einer die Frauen? Sagt man ihnen die Wahrheit ist mann gefühlslos, aber so ein paar kitschige Bemerkungen und sie schmelzen dahin. O Mann, hätte ich das nur früher gewusst!

Eigentlich wollte ich in einen Pub oder vielleicht sogar in die Disco und überlegte, wo hier was war. Plötzlich sah ich das riesige Potter-Poster vor unserem Kino und dachte noch: "Na hoffentlich hat sie dat net gesehen!"
Da fängt meine Schnecke auch schon an, wie ein junger Hund zu jaulen und zerrte mich zur Kasse. Ich hatte leider keine Wahl, wie meine Schnecke mir versicherte, schließlich war es ja meine Idee gewesen, auszugehen. Deshalb durfte ich auch bezahlen.
Selbst kuscheln wollte sie nicht, weil im Kino ja Kinder waren. Allerdings... als ich mich umsah, waren da nur Frauen mit ihren genervten, männlichen Begleitern. Komisch...
Drei Stunden mit Werbung und Pause dauerte der Film! Drei Stunden und die wahrscheinlich schlechteste Potterverfilmung überhaupt! Da fehlt mehr als die Hälfte aus dem Buch und zwar die interessante Hälfte! Meiner Schnecke ist dat egal, sie hat die Bücher nie gelesen, obwohl ich sie ihr schon einem Jahr geschenkt hatte.
"Ich brauche sie nicht lesen, wenn die als Filme rauskommen," erzählte sie mir in der Pause, kurz bevor ich nochmal Popcorn holen darf. "Filme sind sowieso viel besser als Bücher. Bei Herr der Ringe war das genauso."
"Du hast Tolkien nie gelesen!" protestiere ich.
"Warum auch? Gibt es doch auf DVD!"
Irgendwann in diesen drei Stunden ging meine gesamte Lebensfreude, mit der ich hochgeputscht durch den Tag gerast war, verloren. Höchstwahrscheinlich, weil das Kokain aufhörte zu wirken. NEIN! Ist nur Spaß! Wer braucht schon Drogen, wenn er zu Hause einen ganzen Kühlschrank voll mit Bier hat?

Sascha, ich denk an dich.

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