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Die letzten 10 Tagebucheinträge von Steven

Steven

BRUNO!
Steven am 28.06.2006 um 00:36

?Oh Gott! Sie haben Bruno umgebracht. IHR SCHWEINE!!!? das, liebes Tagebuch, war mein erster Gedanke als ich heute früh die Zeitung aufgeschlagen habe. Kaum eine andere Schlagzeile hätte mich so schockieren können, wie die über den Abschuss des Problembären JJ 1. Weder: ?Angie go home!? noch: ?Holland vernichtet deutsche Nationalmannschaft 21 zu 0? und das nicht nur, weil ich da durch zwanzig Euro verloren habe (Ja, ich habe gewettet, wer zuerst auf der Strecke bleibt. Klinsi's Heldentruppe oder der gute, alte Bruno?). Nein, das was mich wirklich schockte, war, dass ich gestern Abend noch Witze darüber machte und überhaupt nicht mitbekam, dass sie den Braubären da schon längst abgeknallt hatten. BOAH!!! Was hab ich jetzt bei meiner Schnecke verschießen!
Ich würde nicht unbedingt behaupten, dass sie eine aktive Umweltschützerin ist, jedenfalls nicht mehr als alle anderen. Sie ist gegen Massentierhaltung und zieht sich gleichzeitig bei MC die ChickenWings rein. Sie möchte ein saubere Umwelt, doch für die Mülltrennung bin ich zuständig. Sie will keine Atomkraft, rastet aber regelmäßig bei unser Stromrechnung aus. Sie mag Pferde und geht oft reiten, aber um die Pferdeäpfel macht sie einen großen Bogen.
Ich glaube sie war noch nie in einem Wald (Wegen der Dinge, die da herum fliegen, wie sie sagt.) oder in einem See baden (Wegen der Sachen, die darin herum schwimmen. Und damit meine ich nicht unbedingt die Fische.) oder hat sich nur einziges mal ins Gras gesetzt (Ja genau! Wegen dem was da so herum krabbelt.). Meine Freundin ist das, was ich mal als Großstadtöko bezeichnen möchte. Dabei lässt sie sich vor allem von allgemeine Stimmungen und Äußerlichkeiten beeinflussen. Sie ist beinahe ausgeflippt, als sie den Werbespot mit den erschlagenen Babyrobben gesehen hat. Natürlich kann ich verstehen, dass meine Schnecke am liebsten in die Antarktis gefahren wäre, um sich zwischen den Jägern und ihren hilflosen Opfern zu werfen (Obwohl ich jede Organisation, die solche Bilder für Werbezwecke benutzt, für höchst suspekt halte. In gewisser Weise ist das für mich sogar eine Form von Erpressung. ?Spendet oder ihr unterstützt Robbenmord!?).
Das grausame Abschlachten der Robben ist ohne jedes ?Wen und Aber? furchtbar, doch frage ich mich, wie sie (und viele andere Menschen) reagieren würde, wenn die Robbenbabys nicht so verdammt niedlich wären und mehr wie... sagen wir mal, wie Kakerlaken aussehen würden. Vermutlich würde sie dem Robbenklopper oder besser: ?Kakaprügler? die Eisenstange aus den Händen reißen und die Schabe selbst erlegen.
Doch eines steht fest: Meine Freundin hat Bruno echt gemocht! Und irgendwie macht sie mich jetzt für seinen frühzeitigen Tod verantwortlich, dabei war ich noch nicht einmal in seiner Nähe.
Das waren übrigens die meisten Bürger nicht, die nun laut stark und weit weg in ihren Fernsehsesseln gegen den Abschuss protestieren. Ich weiß nicht, ob der Abschuss wirklich gerechtfertigt war. Dafür fehlt mir schlicht und einfach die Expertise. Keine Ahnung ob man ihn lebendig hätte fangen können oder ob er wirklich so ein Verhaltens gestörter Bär gewesen ist. Aber eins weiß ich: In Deutschland ist kein Platz für Braubären, zu mindestens nicht in freier Wildbahn.
Wölfe und Luchse sind eine Sache. Aber ein zwei Meter großes Raubtier, das langsam aber sicher die natürliche Scheu vor dem Menschen verliert, ist etwas völlig anderes. Deutschland ist einfach viel zu dicht besiedelt für Tiere dieses Kalibers und daran wird sich in den nächsten Jahrzehnten, trotz wachsenden Umweltbewusstsein der Bürger, auch nichts anderen. Genauso realistisch ist es Mammuts oder Berglöwen wieder anzusiedeln zu wollen. Doch das, passt einfach nicht in das romantische Weltbild vieler selbstgerechter ?Naturfreunde?, die einerseits sich für das Leben von Tieren stark machen und gleichzeitig das Leben von Menschen bedrohen (Damit meine ich die Morddrohungen gegen die Jäger von Bruno und dem Umweltminister von Bayern, der im Grunde genommen nur seinen Job gemacht hat. Hätte der Teddybär ein Kleinkind genauso verstümmelt, wie eins der vielen Schafe hätte er sich wahrscheinlich vor Gericht verantworten müssen.).
Eines finde ich allerdings komisch: Wochenlang schaffen sie es nicht Bruno einzufangen und kaum ist er zum Abschuss freigegeben, knallen sie ihn auch schon über den Haufen. Zufall?

Ich habe gerade im Internet so einen Plüschteddybären für meine Freundin bestellt. Nicht den offiziellen ?Bruno Gedenkbären?, (Für den hätte ich glatt das dreifache hinlegen müssen.) aber einen der genauso, wenn nicht sogar noch niedlicher aussieht. Damit hoffe ich ein bisschen wieder gut zumachen. Mal sehen ob es klappt.

Und was gibt es jetzt noch über Bruno zu sagen? ... Gute Nacht, mein Freund und mögen Engelsscharen dich zur Ruhe betten.
(Ein Kommentar)

Steven

Wie doof kann man sein?
Steven am 10.06.2006 um 22:33

So liebes Tagebuch, in den letzten Tagen ist nicht viel passiert, was vor allem an einem liegt... der WM (Der Fußball-WM natürlich.). Für mich bedeutet solch eine Großveranstaltung immer zwei Dinge, Überstunden und wenig Freizeit. Das ist schon okay, einmal weil mein hungriges Sparschwein das zusätzliche Futter wirklich gebrauchen kann und zum anderen weil ich ja nicht allein malochen muss. Alle meine Kollegen müssen ran und wenn die Stimmung auf Arbeit Top ist, dann ist ja die ganze Schufterei nicht ganz so schlimm. Also haben wir einen Großbildfernseher aufgebaut, das Bier kalt gestellt und sind alle fröhlich (Naja, so ungefähr.) zur Arbeit gekommen. Alle? Nicht alle. Eine kleine Gruppe arbeitsscheuer Anarchisten schafft es doch immer wieder sich zu drücken. Diese Gruppe nennt man auch ... Azubis.
Ja unsere Azubis machen blau. Der eine hat sich ganz schlimm den Knöchel verstaucht und Nummer Zwei bekam plötzlich die Sommergrippe.
Wenn ich ehrlich bin, hat das eigentlich keinen wirklich überrascht. Eine Woche lang haben die beiden von nichts anderem geredet. Wie toll die Partys werden und wie leicht es sein wird, geile Schnitten aufzureißen (Ihr Worte, nicht meine!). Jedenfalls gönne ich es den Beiden irgendwie. In ihrem Alter, mit der WM direkt vor der Haustür, hätte ich es wahrscheinlich auch gemacht.
Also haben ich die Sache mit einem Schulter zucken abgetan... bis gestern. Wir schauten auf Arbeit gerade das Eröffnungsspiel und plötzlich flimmerte ein Beitrag von den zahlreichen WM-Partys über den Bildschirm. Und wer steht da, umgeben von einer Traube geiler Schnitten? Genau! Unser Azubi mit dem kaputten Knöchel. Er grinst fröhlich in die Kamera und jubelt euphorisch.
Wir können nicht glauben, was wir da gerade sehen. Wie doof kann man eigentlich sein?
Es fehlte nur noch, dass die Moderatorin ihn fragt, wer er ist und unsere Intelligenzbestie sagt: ?Ich bin ... und arbeite bei ... und ich mache heute blau, damit ich hier geile Schnitten aufreißen kann. Aber mein Chef darf davon nichts wissen, also bitte nix verraten!?
Wenige Sekunden später schwenkt die Kamera und wer kommt da ins Bild? Richtig! Azubi Nummer Zwei. Er duckt sich zuerst, doch dann springt er doch noch ins Bild um wenigsten einen kurzen Moment im Fernsehen zu sein. Und ich frage mich, wer ist eigentlich der Doofere von den Beiden. Der, der noch nicht einmal mit bekommt, wie tief er in der Scheiße steckt oder der, der das schon irgendwie ahnt und trotzdem unbedingt ins Fernsehen will?

So, das war es... Nein, halt! Eine Sache war noch. Doch, liebes Tagebuch, die ist nicht sehr schön. Ich fahre heute mit dem Bus zur Arbeit. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich denke so über die Dinge des Seins nach. Da sehe ich eine, etwa sechzig Jahre alte Dame in einem Garten stehen und ich denke im ersten Moment: Was hat die denn für einen komischen Sack an? Im nächsten Moment hat mein Gehirn die restlichen Informationen ausgewertet und mir wird grausam bewusst, dass es gar kein Sack, sondern ihre blass rosa Haut ist, die, in gewaltigen Rettungsringen über einen vvvviiiiiiieeeeeeellllllllllll zu kleinen Bikini quellt.
(Ein Kommentar)

Steven

Von Hasen und Menschen
Steven am 17.04.2006 um 15:41

Jedes mal wenn ich frei habe, klingelt es bei mir an der Tür und der Briefträger bringt ungefähr ein Millionen Pakete, Päckchen und fette Umschläge vorbei. Natürlich nicht alle für mich, sondern ausschließlich für die liebe Nachbarschaft. Ich komm mir schon selbst vor wie ein Briefträger. Einmal bin ich einer Nachbarin zwei Wochen lang hinterher gerannt, nur um dann zu hören, dass sie das Scheißpaket gar nicht haben will. Spätesten da hätte ich einen Schlussstrich ziehen sollen, aber ich kann einfach nicht "Nö!" sagen.
Doch kommt nur einmal... NUR EINMAL in vielleicht einer Billiarden Jahre (oder noch seltener) ein klitzekleines Päckchen für mich an, dass vielleicht nur um wenige Millimeter (Ach was! Hundertstel!) zu breit für den Briefkasten ist... ZACK! ist nicht einer meiner tollen Nachbarn bereit es für mich anzunehmen.
Was meinst du, liebes Tagebuch? Ich bin ungerecht? Meine Nachbaren waren möglicherweise ALLE außer Haus? Arbeiten und so.
Schon möglich, wenn du in einem "normalen" Haus mit "normalen" Leuten wohnen würdest, aber nicht in so einem verdammten Neubaublock wie unser eins!
"Schatz," sag ich, "Lass uns doch nach Mitte oder wenigstens nach Kreuzberg ziehen" sag ich.
"Nö" sagt sie "Da sind die Mieten doch so hoch!" ( In Wahrheit will meine Schnecke nicht mehr nach Mitte zurück, weil sie von ihrer alten GirlyGang genug hat. Natürlich darf ich das nicht wissen. Ist ihr peinlich. Allerdings ist das nur sehr schwer zu verheimlichen, wenn ihre Ex-Freundinnen regelmäßig bei uns übernachten. Weiber!)
Nein, unsere lieben Nachtbarschaft besteht zum größten Teil aus Frührentnern... Zu meist wegen altersbedingter Arbeitsunfähigkeit, wie z.B. chronischen Rückproblemen. Was sicherlich schlimm ist, wäre nicht gut die Hälfte der Betroffenen unter dreißig ... und Harz VI-Empfänger, was überhaupt nicht schlimm ist. Ich kenne Viele, die trotz Vollzeitjob noch Stütze beantragen müssen, um ihre Lebenskosten zu decken. (Wird wirklich Zeit, dass Mindestlöhne eingeführt werden!)
Nein, schlimm ist es nur, wenn man überhaupt nicht mehr bereit ist, arbeiten zu gehen, weil man ja nicht den Job bekommt, den man gern hätte. Beispiel: meine Nachbarin, der ich zwei Wochen hinterher gerannt bin. Sie würde gern wieder in ihren alten Beruf zurück. Natürlich nicht als "einfache" Sekretärin und mit einem Anfangsgehalt von wenigstens 2000 Euro. "Wie früher!" sagt sie. "2000? - Euro? - Netto?" frage ich. "Sicher!" antwortet sie ohne zu zögern, man kann sich ja schließlich nicht unter Wert verkaufen.
Wie bitte? Warum, wenn meine Nachbarn alle zu Hause sind, muss ich dann noch ihre Pakete annehmen? Nun, das wüsste ich auch gern, liebes Tagebuch. Vermutlich weil meine Nachbarn keinem mehr, der nicht einen richterlichen Beschluss vorweisen kann, die Tür aufmachen!
Aber genug von meiner Nachbarschaft! Der Punkt ist, dass ich heute los musste, um meine Sendung von einer Paketstadion abzuholen. So weit war es ja nicht, nur etwa zehn Minuten Fußweg.
Auf dem Rückweg kam ich an einer Grünfläche vorbei. Immer noch in meine Gedanken versunken, bemerkte ich plötzlich in den Augenwinkel eine rasche Bewegung. Blitzschnelle rollte ich mich auf dem Boden ab, riss meinen Lasersäbel aus der Jackentasche und nahm die Kranichstellung ein, um jeden Angriff mit tödlicher Präzision zu beantworten (Nein, nein! Ist nur Spaß. Es war natürlich die Drachenklauenstellung.). War allerdings kein wahnsinniger Kettensägenmörder, den ich bemerkt hatte, sondern nur ein Hase (Im Osten Berlins, beides keine Seltenheit.).
Meine heidnische Seele machte vor Freude einen Hüpfer. Doch viel hatte ich nicht von dem Osterboten, er wurde verfolgt... von einem Wolf. Ich musste zwei mal hinsehen, weil ich zuerst dachte, es wäre ein verwahrloster Schäferhund. Doch meine Expertise, geschult durch den Bio-Leistungskurs 10. Klasse, ließ keinen Zweifel offen. Es war tatsächlich ein Wolf und er jagte einen Hasen (In Deutschland ist das an sich ja schon ein wirklich seltenes Bild, doch im Berlin(!?), hat das mit Sicherheit niemand mehr seit zweihundert Jahren gesehen.) Vorsichtshalber nahm ich die Tiger-kurz-vor-dem-Sprung-Stellung ein (Man weiß ja nie.) und beobachtete die Situation.
Der Lümmelmann hatte keine Chance, der Wolf war zu schnell und unglaublich hartnäckig. Aber plötzlich, im Angesicht des sicheren Todes, änderte der Verfolgte seine Taktik. Er sprang vom Rassen herunter und überquerte die Straße. Der Wolf ihm nach, doch kaum war er auf dem Gehweg, da stoppte der zottige Jäger und hielt inne. Er drehte sich einmal im Kreis, krümmte sich und legte mitten auf dem Weg ein Ei (War also doch ein Hund. Ich kenne zu mindestens kein anderes Tier in Berlin, bei dem der Schließmuskel automatisch versagt, sobald er in die Nähe eines Gehwegs kommt.) Eine Weile betrachtet er stolz sein Werk, doch dann fiel ihm wieder ein, dass er noch etwas zu erledigen hatte. Der Hase war natürlich schon längst weg und mir wurde plötzlich bewusst, dass ich an meinem freien Tag einem Hund beim Scheißen zu sah. Also weiter.
Mmmm... Trotzdem. Die Szene war irgendwie wie aus einem Traum. Möchte mal wissen, was so ein Psychologe dazu sagen würde? Die haben ja Ahnung von Traumdeutung und so. Nur war es kein Traum. Vielleicht aber eine Omen. Doch war es ein Gutes oder Schlechtes?
Mhhmmmm... mal sehen. Der Gejagte entkommt dem Jäger ? Gut, würde ich sagen. Der hungrige Wolf muss weiter hungern ? Schlecht, oder?
Das ist wieder so eine Ansichtssache, die im Grunde nur mit der Zeit geklärt werden kann. Also, ab nach Haus... Und siehe, die Sache wurde geklärt. Mein alter SU vom Bund war vorbei gekommen und klärte mich darüber auf, dass es Unregelmäßigkeiten in meinen Unterlagen gab und das ich deshalb mit sofortiger Wirkung wieder eingezogen bin.
Wir lachten.
Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich ihn sah. Fast zwei Jahre und damals lag er im Krankenhaus, wo man ihm den Fuß abgenommen hatte.
Er hat damals großes Glück gehabt, wenn man bedenkt, dass man ihn aus seinem Auto raus schneiden musste. Danach hatten wir noch ein paar mal telefoniert, aber uns nicht mehr gesehen.
Ich freute mich, dass es ihm offensichtlich besser geht, allerdings braucht er immer noch zwei Stützen zum gehen, und das nach anderthalb Jahren Reha. Was mich jedoch wirklich erstaunte, war, dass er zur Zeit seinen Küchenmeister macht und das mit der vollen Unterstützung der Berufsgenossenschaft, wie er mir versicherte.
Ich erinnerte mich, dass er auch schon früher davon gesprochen hatte, aber das er immer noch vor hat in der Küche zu arbeiten, halte ich, ehrlich gesagt, für unrealistisch. Der Beruf des Kochs (auch der des Chefkochs) wird überwiegend im Stehen ausgeübt und wie will er das schaffen, wenn er (trotz Protese und Reha) noch nicht einmal eine halbe Stunde am Stück laufen kann.
Das sagte ich ihm auch, was er ziemlich schlecht aufnahm.
Nun gibt es etwas, dass ich bei meinen behinderten Mitmenschen schon sehr oft beobachtet konnte. Einerseits möchten sie als Vollwertig anerkannt werden (Was, denke ich, in Ordnung geht.), anderseits, wenn man dann tatsächlich mit ihnen Klartext redet, fühlen sie sich verdammt schnell angepisst.
Einmal hatte ich Frühdienst und geriet auf dem Heimweg genau in den abendlichen Berufsverkehr. Ich musste über eine Fußgängerüberführung, die von Leuten förmlich übersät war. Trotzdem, selbst nach deutschen Verhältnissen lief alles sehr diszipliniert ab. Auf der rechten Seite ging es in zwei Reihen vorwärts und auf der Linken kamen mir die Fußgänger in zwei Reihen entgegen. Natürlich kam niemand besonders schnell voran, aber ich hatte es auch nicht eilig.
Wie aus dem Nichts, tauchte plötzlich ein Rollstuhlfahrer genau in der Mitte der Brücke auf (Wie aus dem Nichts, ist so nicht richtig. Ich hatte ihn schon bemerkt, da die Leute vor ihm hastig zur Seite auswichen.) und raste auf mich zu (Also mit rasen, meine ich etwa doppelte Schrittgeschwindigkeit, was allerdings auf einer überfüllten Brücke unverhältnismäßig schnell ist.). Es gelang mir nicht, ihm noch rechtzeitig auszuweichen und er bretterte mir genau über den linken Fuß.
"He!" schrie ich wütend. "Pass doch auf, du Arsch!"
Ich gebe zu, dass war nicht unbedingt "nett" von mir, jedoch für Großstadtverhältnisse eine durchaus angemessene Reaktion.
Der Rollstuhlfahrer hielt abrupt an und drehte sich halb zu mir um.
"Wie bitte?" fragte er mich herausfordert.
"Du hast mich schon beim ersten Mal verstanden,"erwiderte ich. "Auch Krüppel haben Rücksicht auf ihre Mitmenschen zunehmen!"
Wie gesagt, ich war wütend.
Der Rollstuhlfahrer fluchte sofort los, keine Spur von Selbstkritik oder einem schlechten Gewissen.
Sicher, auf Behinderte muss man Rücksicht nehmen, aber wie sieht es andersherum aus?
Vor noch gar nicht so langer Zeit (Um genau zu sein, vor etwa neun Jahren. Mir ist einfach kein anderer Übergang eingefallen.) war ich Essen kaufen und bemerkte, dass eine "gut beleibte" Dame in einer elektrischen Gehhilfe (Keinem Rollstuhl! Da gibt es wohl Unterschiede. Und mit "gut beleibt" meine ich: Fett! Sie war so fett, dass das Fett schon an den Seiten herunter hing. Das ist keine sarkastische Übertreibung, sondern lediglich ein Beschreibung des Gesehenen.) auf mich zu rollte. Natürlich hielt ich für sie die Tür des Supermarktes auf , was die Dame mit Nichtachtung quittierte.
"Blöde Kuh," flüstere das böse Teufelchen auf meiner Schulter mir leise ist Ohr.
Obwohl ich ihm ins Geheim Recht gab, ignorierte ich noch seinen Spruch.
Derweil schob eine Verkäuferin die Drehtür am Eingang zur Seite um die Dame in ihrem Gefährt hinein zulassen. Und immer noch nicht konnte ich die kleinste Spur von Dankbarkeit an ihr bemerken. Im Gegenteil, sie regte sich darüber auf, dass sie "so lange" warten musste, dabei murmelte sie irgendetwas von "nicht behindertengerecht".
Ich war mir immer noch unschlüssig, was ich davon halten sollte. Im Gegensatz dazu, hatte sich das Teufelchen auf meiner andern Schulter bereits eine Meinung gebildet und wetterte los.
"Die führt sich ja auf wie die Königin von England," meinte er und ich konnte ihm nicht wirklich wiedersprechen. Es fehlte nur noch die Krone und das Zeptar.
Ja, liebes Tagebuch, du hast richtig gelesen, ich habe zwei Teufelchen, die mein "Ich" repräsentieren. Ein böses und ein nicht ganz so böses. Der Engel hat den Job nach einer Woche aufgegeben (Warum nur?).
"Komm schon," sagte das nicht ganz so böse Teufelchen. "Es ist nicht sehr angenehm, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Das würde den Boss auch verrückt machen."
Das stimmt, räumte ich ein.
"Ach was!" lachte das böse Teufelchen auf. "Wahrscheinlich kann die noch super laufen und ist einfach nur zu faul."
Das war sogar für mich zu hart und ich zählte ihn an. In diesem Augenblick hechtete die Dame aus ihrer Gehhilfe (Wobei die Betonung hierbei auf "hechtete" liegt. "Hechtete", wie: Der zwölfjährige Junge "hechtete" in den Badesee.), schnappt sich aus dem obersten Regal eine Tüte Kartoffelchips und wirft sie in ihren kleinen Einkaufskorb (Die Betonung liegt hier auf "wirft", wie: "Air Jorden setzt zum Dreipunktewurf an, er "wirft" und... VERSENKT IHN!").
Ich und mein nicht ganz so böses Teufelchen waren sprachlos und ich blickte erwartet das Böse an, um mir seinen fiesen Kommentar anzuhören, doch er war noch viel sprachloser.
Was sagst du, liebes Tagebuch? Das ist grammatikalisch falsch? Man kann nicht weniger sagen als Nichts? Der Duden und sämtliche Deutschlehrer werden dir sicherlich recht geben, aber dem Leben ist die deutsche Rechtschreibung herzlich egal. Es gab schlicht und einfach keine andere Beschreibung dafür. Ich und die Personifizierung meiner Selbst waren sprachloser als sprachlos. Es war viel mehr so, das jedes vorangegangene Wort wieder aufgesogen und der Erinnerung der Gegenwart entrissen wurde.
Sie bemerkte meinen Blick, der zweifellos in diesem Moment völlige geistig Leere widerspiegelte und meinte grinsend: "Ich brauch auch mal was zum knapperen, bin ja schließlich nicht auf Diät!"
"Wäre sicherlich besser, sie würden mal Diät machen. Dann hätten sie vielleicht doch noch ne' Chance Fünfzig zu werden," erwiderte ich, immer noch mit der geistigen Leere kämpfend, die sich, durch den vorangegangen Schock wie ein Dunztwolke über mich gelegt hatte.
Ohne Zweifel nichts als die Wahrheit. Und? ... Sie regt sich sofort auf.
Und noch einen Begebenheit. Ich stehe am Bahnhof und bin sauer, weil ich spät dran bin. Da quetscht mich einer von der Seite an und fragt mich, welcher Stadion das hier ist.
Eine reichlich dämliche Frage. Erst mal, stehen wir genau neben einem riesigen Schild mit allen nur denkbaren und undenkbaren Informationen (Jetzt mal ehrlich, wer will schon wissen, dass Bier trinken den Regenwald rettet oder das eine gewisse Versicherung nur das "Beste" von... äh, für uns will?). Ist er vielleicht blind? Und irgendwie muss er ja hier gelandet sein und außerdem... Was fällt dem Typen ein ausgerechnet mich anzuquatschen! Sehe ich vielleicht aus wie die verdammte Auskunft? (Nichts gegen die Auskunft, aber 120 Cent pro Minute ist echt unverschämt!)
Auf Grund meiner unglaublichen rhetorischen Fähigkeiten gelingt es mir, dies alles in einem einzigen Satz zu formulieren und Glasklar auf den Punkt zu bringen.
"Wat?!" fahre ich ihn an und sehe zur Seite.
Ziemlich schnell wird deutlich, dass er wirklich blind ist. Seine Augen sind von einem weißgrauen Schleier überzogen und die eine Pupille blickte hinauf zu den Tauben direkt unter dem Dach der Haltestation, während das andere der weilen ihre Hinterlassenschaften auf dem Betonboden betrachtet.
Ich soll bitte nicht böse sein, aber er hat sich verfahren und braucht Hilfe um die richtige Bahn zu erwischen.
Ich bin nicht böse, behauptete ich einfach mal und verbannte meine beiden lässtigen Teufelchen zurück in ihre Käfige. Naja, danach klärte sich alles erstaunlich schnell auf und ich schickte "die blinde Nuss" (Seine Worte, nicht meine!) wieder auf Reisen.
Wie bitte, Tagebuch? Was mich daran stört? ... Gar nicht! Er war ein sehr freundlicher junger Mann und wir haben uns wirklich gut unterhalten. ... Was das nun mit meiner vorangegangen Behauptung, "dass Behinderte sich schnell angepisst fühlen" zu tun hat? ... Ja Moment! Das ist keine generelle Eigenschaft unserer behinderten Mitmenschen, viel mehr eine subjektive Beobachtung meinerseits, die ich in ihrer Gegenwart häufiger gemacht habe (Ich räume gern ein, dass so genannte "normale" Menschen sich genauso schnell angepisst fühlen und das mir diese negative Eigenheit bei Behinderten nur wegen ihrer Auffälligkeit in der Öffentlichkeit besonders ins Auge sticht. Da das aber meine vorangegangen Zeilen ab absurdumum führen würde, ignoriere ich das einfach mal.). Und außerdem, was fällt dir ein, mich ständig zu unterbrechen! Da komme ich ja nie zum Punkt! Ich bin nämlich noch gar nicht fertig.
Also wir reden und irgendwann sagte er, dass er gerade von der Arbeit kommt. Ich bin erstaunt und meine, dass es wichtig ist, sich mit etwas zu beschäftigen und das ich auch schon mal, so'ne Decke gekauft habe (Stimmt wirklich. Ich brauchte was zum Muttertag und hab erzählt, dass ich das Teil selbst gemacht habe. Da meine Mutter meine handwerklichen Fähigkeiten allerdings sehr gut kennt, vermute ich mal, dass sie mir das ?nicht ganz? abgenommen hat.).
Und schon ist er angepisst!
Er widerspricht mir entschieden und erklärt mir, dass er "richtig" arbeiten geht. Mit Schichtdienst und Gehalt und allem. In einer Behindertenwerkstatt, 8 Stunden täglich, 5 Tage die Woche und mit einem Solplan, den sie unbedingt einhalten müssen. Zwar wird die Werkstatt vom Staat gesponsort und er bekommt noch eine Rente, trotzdem ist das bestimmt keine Beschäftigungstherapie und außerdem macht er noch eine Vorbildung zur Schreibkraft.
Tatsächlich dachte ich bisher, dass sie in solchen Behindertenwerkstätten "nur" ein paar Stunden in der Woche bei Kaffee und Kuchen und Blümchenmusik Bilder und so malen. Aber das sie richtig Umsatz machen müssen, habe ich nicht gewusst.
Er grinst und meint, dass viele das denken und außerdem hören sie meist Rammstein bei der Arbeit.
Das Problem, das viele "normale" Menschen mit Behinderte haben, beruht nicht darauf, dass die Normallos alles gefühllose Arschlöcher sind (Das kommt in einigen Fällen noch erschwerend hinzu.), sondern das sie gerade versuchen keinen Fehler im Umgang mit Behinderten zu machen. Was allerdings meist dazu führt, dass sie Angst haben falsch zu reagieren und deshalb dazu neigen ihre behinderte Mitmenschen zu ignorieren.Das ist Falsch und feige! Lieber lege ich mich doch mit allen Krüppel dieser Welt an, als so zu tun, als gebe es sie nicht, denn egal wie angepisst sie auch seinen mögen, irgendwann ist alles vorbei und man ist sich wieder ein Stück näher gekommen.
Meinem ehemaligen SU war durchaus bewusst, dass es für ihn sehr schwierig werden wird in die Küche zurück gehen, wahrscheinlich sogar unmöglich. Doch das ?kochen? ist nun mal sein Leben und alles was er kann. Und lieber läuft er einem Traum hinterher, als zu Hause auf der Couch rumzuhängen und immer fetter zu werden. Und wer weiß schon, wie sich die Sache weiter entwickeln wird, vielleicht bekommt er einen Job in dem er seine Qualifikation und Berufserfahrung mir einbringen kann. Man soll niemals den Gelegenheiten nachtrauern, die man verpasst hat, sondern mit den glücklich werden, die man bekommen hat. Schließlich soll ich immer daran denken: "Hät der Hund nicht geschießen, hät er nen Hasen gekriegt."
Ich bin verblüfft. Woher wusste der SU das nun schon wieder?
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Steven

Von Frauen und Pferden
Steven am 06.02.2006 um 03:13

Weil meine Schnecke ihren Lappen für ein halbes Jahr los ist, darf ich sie nun überall herumschoffieren. Eigentlich sollte sie mir dankbar sein, doch statt dessen erreicht unsere Beziehung auf unseren gemeinsamen Fahrten regelmäßig einen neuen Tiefpunkt.
Ich kann nicht behaupten, dass sie absichtlich nervt, das wäre ja nicht so schlimm, damit könnte ich umgehen. Nur einmal hat sie, während ihrer unfreiwilligen, längeren Pause, meinen Fahrstil kritisiert, was ich unbeachteterweise mit einem: ?Ich hab meinen Lappen noch, Schatz! ... Schatz?? kommentierte.
Sie wird sich bestimmt nicht noch einmal so leicht aushebeln lassen, dafür ist sie viel zu schlau. Sie geht jetzt viel subtiler vor. Will sagen, wenn sie meine ?defensive? Fahrweise Mal wieder richtig zum Kotzen findet, wirft sie mir die absurdesten Sachen vor, die nun wirklich mit allem zu tun haben, nur eben nicht mit der aktuellen Straßenlage. Und doch, irgendwo in ihrem Gemeckere sind kleine, gemeine Botschaften versteckt, die sie gnadenlos auf mich abfeuert.
Gestern ist mir endgültig der Kragen geplatzt und wir hatten den wahrscheinlich schlimmsten Streit überhaupt. Es war wirklich nicht schön.
Üblicherweise gebe ich als Erster nach, aber nicht dieses Mal. Warum auch? Ich bin keinem Rentner in den Kofferraum gekracht! Also warum soll ich denn darunter leiden, wenn Madam genervt ist?
Sie hat ziemlich schnell mitbekommen, wie sauer ich wirklich war und dass sie diesmal den ersten Schritt machen musste. Tatsächlich versuchte sie es schon am Abend.
Nach unserem Streit sind wir uns mehr oder weniger aus dem Weg gegangen und sprachen nur noch das Nötigste mit einander. Als ich gerade die Nachrichten sah, kuschelte sie sich plötzlich an mich und fragte beiläufig, was ICH denn gern essen würde. Eine wirklich großzügige Geste für jemanden, der nie kocht. Sie wollte sich eindeutig mit mir versöhnen. Aber ich hatte keine Lust.
Verdammt! Ich habe ein Recht darauf wütend zu sein, wenn ich wütend sein will!
Ich sagte ihr, dass ich keinen Hunger habe, stand auf und ließ sie sitzen. Ich hätte gern ihr Gesicht gesehen, als ich unsere Wohnung verließ. Aber damit hätte ich nur riskiert, dass ich wieder schwach geworden wäre und ihr alles verziehen hätte. Und das wollte ich einfach nicht... noch nicht.
Ich hab dann bei einem Kumpel übernachtet und war erst heute früh wieder zu Hause.
Weil ich nicht wusste, wie sie so drauf ist, ging ich sehr bedacht durch unsere Wohnung.
Meine Freundin (?) saß in der Küche und trank Kaffee.
Sie blickte mich ausdrucklos an und meinte: ?Bis wieder da??
?Ja,? antwortete ich knapp. ?War bei einem Freund. Ist ziemlich spät geworden, deshalb hab ich bei ihm geschlafen.?
Das war gelogen und sie wusste das auch. Wenn ich mit meinen Kumpels die Nacht durchmache und am nächsten Tag nicht arbeiten muss, komme ich nie vor Mittag vom Sofa runter.
?Hattest dein Handy nicht dabei,? sagte sie daraufhin.
Sie sprach sehr ruhig und ohne jeden Vorwurf in ihrer Stimme. Es sollte unbeteiligt klingen. Bei jemand anderen, hätte es vielleicht sogar geklappt.
?Hab ich vergessen,? erwiderte ich nur.
Auch das war gelogen. Ich hatte mein Handy mit Absicht nicht mitgenommen und nun wusste ich, dass sie versucht hatte, mich zu erreichen. Allerdings fragte ich mich jetzt, wen sie statt dessen angerufen hatte. Bei jemanden musste sie sich heute Nacht ausgeheult haben, sonst wäre sie nicht so cool geblieben.
Das waren mehr oder weniger, die einzigsten Worte, die wir mit einander sprachen.
Ich weiß, Tagebuch, war wirklich arm von mir.
Nach einer Weile fragte sie mich, ob ich sie zu ihrem Reiterhof fahren könnte. Ich nickte sofort und war noch im gleichen Augenblick von mir selber überrascht, wie schnell ich auf den kleinen Wink angesprungen war. Es sah wirklich so aus, als hätte ich nur darauf gewartet. Naja, vielleicht hatte ich das tatsächlich.
Die Fahrt selbst verlief ungewohnt ruhig und wurde nur von intensiven Schweigen unterbrochen. Ich war wirklich froh, als wir das Gelände des Reiterhofes endlich erreichten. Ich selbst war noch nie dort gewesen, ob wohl meine Schnecke mindestens einmal im Monat reiten geht. Beim Aussteigen fragte sie mich, ob ich sie in zwei Stunden abholen könnte. Ich schüttelte den Kopf und meinte, dass ich zu schauen werde.
Das war eigentlich als Friedensangebot gedacht, doch ihr war es anscheinend egal. Sie ging kommentarlos, mit ihren Sachen über der Schulter in die große Halle.
Ich folgte ihr. In der Nähe stand ein Automat mit Bier in Plastikflaschen (Kotz!) von denen ich mir sofort eine sicherte und dann setzte ich mich auf die Zuschauertribüne. Meine Freundin wurde von einer Gruppe junger Frauen, die ich fast alle kannte oder schon einmal gesehen hatte, begrüßt. Gerade als ich die Flasche ansetzten wollte, sahen die Weiber geschlossen in meine Richtung. Ich verschluckte mich und das kalte Bier floss mir böse aus der Nase. Trotzdem bemühte ich mich freundlich zu bleiben und winkte ihnen zu.
Sie drehten mir fast gleichzeitig den Rücken zu.
Ich ahnte plötzlich mit wem meine Schnecke heute Nacht gesprochen hatte und das es wahrscheinlich kein Zufall gewesen ist, dass sie sich jetzt hier alle trafen.
Was soll's, dachte ich und versuchte es mir gemütlich zu machen, was bei der beschissenen Holztribüne verdammt schwierig war, aber irgendwie schaffte ich es.
In der Halle befanden sich drei Pferde, die gemütlich im Kreis trappten und etwa sieben Mädchen, die energisch auf ihnen rumturnten. Nur eins der Mädchen war schätzungsweise älter als zwölf und genauso benahmen sie sich auch. Mit aller Kraft und einer unglaublichen Ausdauer versuchten sie die Pferde zu lenken (Ist dat richtig? Lenkt man Pferde? Egal!). Was den Gäulen allerdings scheißegal war. Die liefen, völlig verschlafen, immer wieder ihre Strecke ab, hielten manchmal kurz an, damit einen anderes Mädchen drauf konnte und liefen dann genauso gelangweilt weiter. Ein reiner Routinejob für sie!
Plötzlich bemerkte ich, dass ich der einzigste Mann in der Halle war. Ansonsten nur Mädchen und junge Frauen, weit und breit. Glücklicherweise entdeckte ich dann noch einen Typen hinter mir, hätte sonst sicherlich seltsam ausgesehen.
Als er bemerkte, dass ich ihn ansah, nickte er kurz.
Ich nickte kurz zurück und fragte: ?Reiten sie??
?Nein!? antwortete er schnell. ?Nein ... Früher ... kurz ... aber heute nicht mehr.?
Vielleicht ein Perverser, dachte ich. Bei den ganzen Kindern in dünnen Reiterhosen sicherlich ein nahe liegender Gedanke.
?Ich bin nur wegen meiner Tochter hier,? verteidigte sich der Typ sofort gegen meinen fragenden Blick und zeigte wahllos auf die Mädchen. ?Und reiten sie??
?Wer? Ich? Nein!? erwiderte ich entsetzt. ?Überhaupt noch nie! Ist nicht mein Ding!?
Und nur für den Fall, dass er mich jetzt für den Perversen hielt, meinte ich noch: ?Hab meine Freundin hergefahren!? und zeigte auf meine Schnecke, die sich gerade umgezogen hatte.
Wow! Hätte ich gewusst, wie sexy meine Freundin in ihren Reitersachen aussieht, hätte ich sie bestimmt schon viel früher begleitet!
Ja, liebes Tagebuch, ist ein blöder Spruch. Aber er stimmt!
Die engen Hosen, die hohen Stiefel, der strenge Blick und vor allem die Reiterpeitsche... Das hat schon was.
Neben meiner Freundin lief die Cheftrainerin oder Animateur oder wie das heißt, doch sie sah nicht annähert so attraktiv aus wie meine Schenke. Das lag wahrscheinlich an den ekligen, braunen Schmutzstreifen an ihren Reiterhose und an dem widerlich durchgeschwitzten T-Shirt und natürlich an ihrem fetten Arsch! Die Trainerin selbst war nicht fett, nur ihr Arsch. So was hab ich noch nie gesehen. Ihre Proportionen stimmten überhaupt nicht und außerdem hatte sie noch O-Beine. Ich will ja nicht meckern, aber einige Menschen sollte einfach keine Reiterhosen tragen dürfen. Da sah ich mir doch lieber meine Freundin an.
Seltsam... Kaum saß sie im Sattel, da schien es, als ob alle Probleme von ihr abfielen.
Was ist das nur mit diesen Pferden? Und warum reiten Frauen so gerne? Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich zwar sehr viele Bekannte hatte, die regelmäßig dem Reitsport nach gingen, aber dass darunter nicht ein Mann war. Da ich nichts hatte, mit dem ich mich anderweitig beschäftigen konnte, war ich unweigerlich gezwungen, darüber genauer nachzudenken.
Wäre ich so ein primitiver Vollproll, wurde ich als Erstes vermuten, dass dieses ?Auf und Ab? etwas mit Sex zu tun hat. Daran würde ich selbstverständlich nie denken!
Aber warum sind so viele Mädchen und junge Frauen so unheimlich besessen von Pferden?
Sicherlich hat das, was mit der Pferdepflege zutun. Dieses Zöpfe flechten und bunte Bänder in die Mähne wickeln und das striegeln und diese ganze Hufmaniküre, darauf stehen doch Frauen.
Okay, Mutterinstinkt, einen Grund hätten wir schon mal. Aber was noch?
Mal überlegen... Mmmmm... Pferde sind groß, stark und maskulin ... Sie machen Dreck, wo sie gerade stehen ... Sie stinken und furzen in der Gegenwart von Frauen ... An wen erinnert mich das? ... Genau! An Rinder! ... Nein, das kann es nicht sein. Meine Freundin hat Angst vor Kühen, sogar vor den ganz Kleinen. Aber ich weiß genau, dass das schon die richtige Richtung war.
Ich beobachtete meine Schenke, in der Hoffnung das mir bei ihrem Anblick die Erleuchtung kommt. Und tatsächlich ging mir noch in derselben Sekunde ein Licht auf.
Meine Freundin gab gerade etwas Gas, in dem sie ihre Reitpeitsche gegen die Oberschenkel ihres Pferdes knallte. Der Hengst, und den hätte ich auch ohne Biounterricht erkannt, merkte von dieser brutalen Misshandlung kaum etwas. Entweder war daran schon gewöhnt oder Pferde haben eine weit aus größere Schmerztoleranz als wir Männer.
Ohne zu murren, wechselte er vom gemütlichen Trap in die nächstschnellere Bewegung.
?Natürlich!?, schoss es mir durch den Kopf. ?Frauen sehen in Pferden die idealen Lebenspartner!?
Man kann sich auf sie immer verlassen. Sie widersprechen nie und mit einem Stück Zucker kann man jeden Streit aus der Welt schaffen. Pferde sind auch nicht so anhänglich, wie so mancher Mann. Oder besser sagt, wenn die Frauen genug von ihnen haben, können sie die Pferde problemlos in den nächsten Stall abschieben oder wenn die Gäule es einfach nicht mehr bringen, zum Abdecker.
In der Beziehung Frau/Pferd dominiert immer die Frau. Und der Instinkt andere zu dominieren ist bei Frauen fast genauso stark ausgeprägt, wie das ?Bemuttern?.
Das ist also der Grund... und sicherlich spielt Sex noch eine wesentliche Rolle.
?Ne!? sage ich mir. ?So leicht wird meine Freundin es nie mit mir haben.?
Ein guter Vorsatz, wie ich finde. Mal sehen, wie lange ich ihn durchhalte.
Ich konnte es einfach nicht verhindern, aus einer anfänglichen Gleichgütigkeit gegen über dem heimischen Reitsport ist echte Ablehnung geworden. Und das, in nur zehn Minuten!
Dieses Ganze im Kreis herumgehoppele, dieses Kunststückchen vorführen, dieses gnadenlose Brechen des freien Willens... Das ist doch nicht ?reiten?! Das ist Verrat an den uralten Pakt, den wir Männer einst mit den Pferden geschlossen haben.
Ja, wir Männer! Während die Frauen in den Höhlen blieben und versuchten sich gegenseitig zu dominieren, zogen wir Männer furchtlos in die Welt hinaus. Spießten Mammuts auf, erschlugen Säbelzahntiger mit unseren bloßen Händen und zähmten die stolzen Wildpferde. Wir machten sie zu unseren Kameraden, zu unseren Waffenbrüder, zu unseren Freunden.
Wir teilten das letzte Butterbrot mit ihnen und wärmten uns gegenseitig, wenn wir wieder einmal aus der Höhle geflogen waren. Ja, wir waren echte Freunde.
Irgendwann ließen wir Männer es zu, dass diese großartige Freundschaft von den Frauen kuroptiert wurde. Reichte ihnen denn Kinder bekommen und Wahlrecht nicht aus?
Vermutlich sahen die Frauen direkt nach der Erfindung des Autos ihre Chance gekommen und wir Männer, geblendet durch unsere eigene Naivität, ließen unsere Kameraden gedankenlos im Stich.
Es tut mir wirklich weh, wenn ich heute sehe, wohin uns dieser Wahnsinn geführt hat. Nein, echtes ?reiten? ist das nicht mehr. Echtes reiten ist ganz anders und in einer kurzen Vision, blicke ich auf das zurück, was wir längst verloren haben.
Die Zügel fest zwischen meinen Zähnen, in der linken Hand das Lasso, weit schwingend über meinen Kopf und in der rechten die Winschester schussbereit im Anschlag, um angreifende Biber abzuwehren, jage ich und mein stolzes Ross den steilen Abhang herab. Wir bahnen uns unseren Weg durch den eiskalten, reisenden Fluss ans andere Ufer und brechen durch verschneite Frühlingswälder hindurch, immer unseren Ziel entgegen. Und dort ist es! Ein junger Bulle, weit abseits der Herde. Mein Lasso fängt ihn sicher ein und ich reiße ihn im vollen Galopp zu Boden. Und während ich dem gefesselten Kalb ein glühendes Stück Eisen auf die Arschbacken presse, trampelt mein treuer Begleiter ein halbes Dutzend Indianer und ein paar Pumababys nieder.
Am Abend, wenn die Arbeit getan ist, sitzen wir dann am Lagerfeuer, sehen in den klaren Sternenhimmel, essen Aldi-Ravioli aus der Dose und rauchen entspannt unsere Malberro.
Ja, das ist noch echtes reiten!
Meine Freundin war mit ihrem so genannten ?reiten? nach etwa einer Stunde fertig und steigt gekonnt ab. Der Hengst unter ihr hatte es kaum bemerkt und betrachtet weiter hin gelangweilt die Pferdeäpfel einen halben Meter vor sich.
Die Trainerin mit den überaus breiten Hüften... Ach was! ... mit dem fetten Arsch sprang mit einem Mal völlig unerwartet in seinen Sattel. Die gut dreizig Kilo übergewicht und die ruppige Art wie die Trainerin die Zügel an sich reißt, kann selbst der gutmütigste Gaul nicht mehr ignorieren und mein Bruder im Geiste wiehert gequält auf.
Sofort war ich auf den Beinen und an der Absperrung ran.
Es wurde Zeit meine Schuld, die Schuld aller Männer wieder gut zu machen!
Ich suchte den Blickkontakt zu ihm, denn dank der Jahrtausenden langen Kameradschaft mit unseren vierbeinigen Begleitern sind wir Männer in der Lage uns mit ihnen vollkommen lautlos zu unterhalten. Nur mit den Augen!
Ich machte ihm den Vorschlag, dass ich die fette Kuh aus dem Sattel boxe und wir dann gemeinsam aus diesem Gefängnis fliehen könnten. Wir würden uns in den unendlich weiter der brandenburgischen Maisfelder verstecken. Umherziehen, gemeinsam jagen, Touris überfall und ihnen ihre McDonalds Fresstuten klauen.
Wir würden endlich wieder frei sein!
Der Hengst dachte einen Moment über mein Angebot nach. Dabei ließ er sich auch nicht von der Reiterin auf seinem Rücken stören, die verzweifelt bemüht war, ihn in Gang zu setzen.
?Lass mal gut sein, Kleiner,? sagt er schließlich. ?Ich hab hier ein Dach über den Kopf, drei Mahlzeiten am Tag und abundzu richtig guten Sex. Da werde ich doch nicht abhauen! Außerdem ist es draußen noch verdammt kalt. Frag mich noch mal im Sommer.?
Damit nahm er routinemäßig seine Arbeit wieder auf und setzte sich langsam in Bewegung, was die Trainerin zu tief befriedigte.
Ich sah ihm nach und dachte mir: ?Eigentlich hat er ja recht.?
Und da erkannte ich die grausame Wahrheit.
Wir Männer sind durch unsere eigene Bequemlichkeit auf ewig verdammt! Aber vielleicht bin ich der Mann, der das ändern kann. Der das männliche Geschlecht von allen weiblichen Zwängen befreien wird.
Meine Freundin kann genau in diesem Augenblick zu mir und küsste mich auf die Wange. Sie muffelte etwas, aber das war schon okay.
?Danke, dass du gewartet hast,? flüsterte sie mir leise ins Ohr und ging sich wieder umziehen.
Nun, vielleicht bin ich doch nicht der Mann.
Später im Auto war die Stimmung sehr viel besser. Sie erzählte mir, wie sie als Schülerin mit dem Reiten angefangen hatte und wie viel Spaß ihr das machte.
Ja sicher, dass Frauen Spaß am Reiten haben, kann man vielleicht auch als Grund anerkennen.
Jedenfalls ist meine Schnecke glücklich und wenn sie glücklich ist, bin ich es auch.
Also meinte ich zu ihr, dass es für mich kein Problem wäre, sie nächste Woche wieder zum Reiterhof zufahren. Sie lachte nur.
?Hast du Katrin gesehen?? fragte sie mich.
Ich nickte vorsichtshalber, obwohl ich wirklich keine Ahnung hatte, wer aus dem Weiberhaufen Katrin ist.
?Die reitet jeden Tag,? erklärte sie mir, mit einer Mischung aus echtem Neid und gespielter Abscheu. ?Glaubst du ich, will so einen fetten Arsch wie sie bekommen??
Und der Rest ist Schweigen.

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Steven

Kalte Suppe
Steven am 27.01.2006 um 01:30

Heute bin ich mit meiner Freundin fast Zeit gleich zu Hause aufgeschlagen. Ungewöhnlich, aber nichts Besonderes. Wir hatten halt zusammen Feierarbeit.
Eigentlich müssten wir einen solch seltenen Fall gemeinsamer Freizeit innerhalb der Woche sofort ausnutzen und irgendetwas unternehmen. Doch worauf hat man bei solch einem Wetter schon groß Lust? Wir waren uns deshalb schnell einig, heute gemeinsam einen gemütlichen Fernsehabend zu verleben.
Aus reiner Gewohnheit versuchte ich mein Glück beim Kühlschrank, fand aber nur die schon mehr als vertraute Abwesenheit sämtlicher Grundnahrungsmittel vor. Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich noch Storm für das Teil bezahle, wenn sowieso nix drin ist. ... Naja, etwas ist ehrlich gesagt schon drin. Ein geschmacksneutraler Joghurt, eine braune Banane und eine Tupper-Dose mit den Überresten der süßsauren Suppe von vor drei Tagen. Schlagartig ist mein Hunger verflogen und ich beschließe, später etwas zu Essen zu bestellen. Aber vorher muss ich mich noch um die Post kümmern.
Rechnungen, Mahnungen und Drohbriefe überwiegend von Unternehmen, bei denen ich ums Verrecken nicht weiß, warum die eigentlich Geld von uns bekommen. Immer wieder muss ich meine Schnecke fragen, ob dies und jenes Schreiben richtig ist. Sie bejat grundsätzlich alles und meint nur, wenn wir eine Rechnung bekommen haben, wird das schon richtig sein und wuselt weiter in der Wohnung rum. Nur gut, dass ich den Part mit den Rechnungen bezahlen übernommen habe, sonst wären wir wahrscheinlich schon längst pleite.
Ich würde nie behaupten, dass meine Freundin nicht mit Geld umgehen könnte, ganz im Gegenteil, allerdings nur dann, wenn sie jemanden zur Sau machen kann.
Einmal haben wir für meine jüngere Schwester eine Jacke zum Geburtstag gekauft. Ich fand, dass sie vielleicht eine Nummer zu klein sein könnte und sagte das meine Schnecke auch. Sie meinte nur dazu, dass wir die Jacke, wenn sie meine Schwester nicht passen sollte, ja immer noch umtauschen könnten. Nein, können wir nicht, sagte ich darauf hin und zeigte auf das Rabat-Schild, auf dem groß und breit ?vom Umtausch ausgeschlossen? stand. Meine Freundin meinte dazu nur lapidar ?Ja-Ja? und grinste mich frech an.
Eine Verkäuferin, die mysteriöserweise plötzlich hinter uns aufgetaucht war und anscheinend unser gesamtes Gespräch belauscht hatte, bekräftigte noch einmal meine vorherige Aussage, was meine Schnecke jedoch mit einem unaufrichtigen ?Natürlich? und einem noch viel breiteren Grinsen quittierte.
Schließlich wurden wir noch einmal an der Kasse und dann nochmal von der Chefin persönlich darauf hingewiesen, dass die Jacke unter keinerlei Umständen, selbst wenn die Hölle zu frieren und im Himmel eine Gang-Bang-Party steigen würde, zurück gebracht werden kann. Also für mich war die Sache damit mehr als klar. Natürlich bin ich auch nicht meine Schnecke.
Ich glaube es war die letzte Ermahnung und vor allem das unglaublich selbstgefällige Auftreten der Chefin das meine Freundin in dem Beschluss bestärkte, dass sie in jedem Fall nochmal vorbeikommen würde.
Am nächsten Tag stellte meine Freundin auch sehr schnell fest, dass die Jacke tatsächlich nicht passte und das ohne, dass meine Schwester sie anprobiert musste, einfach so, nur durch ranhalten. Also zurück ins Geschäft und zur Kasse, wo wir auch gleich von der netten Chefin begrüßt wurden, die seltsamerweise schon ganz genau wusste, was wir wollten.
Das folgende... nennen wir es ruhig ?Gespräch? zwischen meiner Freundin und der kampfbereiten Chefverkäuferin in all seinen entsetzlichen und bizarren Einzelheiten wieder zu geben, würde deine Seiten, liebes Tagebuch, wahrscheinlich in Brand setzen. Darum lass ich es vorsorglich bleiben.
Nur so viel. Nach zehn Minuten war die Verkäuferin bereit die Jacke umzutauschen. Noch mal zehn Minuten später bekamen wir unser (also mein) Geld zurück. Und nach weiteren zehn entlosen Minuten hatte meine Schnecke zwanzig Prozent Rabat auf Sachen, die sie noch gar nicht gekauft hatte und ich einen Kaffee, den ich eigentlich gar nicht haben wollte.
Dummerweise bekommt man von kompliziert formuliert Schreiben undurchsichtiger Internetscheinfirmen sehr sehr selten (echte) Rabatte und noch seltener Kaffee spendiert. Und damit ist das Interesse meiner Kleinen an diesen Dingen auch schon erloschen und ich muss mit meinem beschränkten finanztechnischen Wissen immer wieder aufs neue versuchen unseren maroden Haushalt zuretten. Aber hab ich denn eine Wahl? Ja genau...
Plötzlich macht es ?Bing!?. Das ist nicht metaphorisch gemeint. Mir ist keine von den Mächten des Universums gesandte geniale Idee gekommen. Für so was brauche ich schon mindesten vier Bier und eine halbe Flasche ?vom Gutem?.
Es machte wirklich ?Bing!?. Anscheinend war unsere Mikrowelle mit dem bestrahlen seines neusten Opfers fertig.
Nun muss ich dir, liebes Tagebuch, noch mitteilen, dass ich in den letzten Tagen nicht ganz auf der Höhe war. Auch heute hing ich etwas durch, sonst hätte ich mich bestimmt sofort gefragt, was wohl die Mikrowelle gerade ausgespuckt hatte.
Du erinnerst dich sicherlich daran, dass wir noch drei entfernt lebensmittelähnliche Produkte im Haus hatten. Ein Joghurt, eine Banane und die kalte Suppe. Aber es brauchte nicht lange, bis mich meine Unachtsamkeit gnadenlos einholte.
Als ich mit der Schreibarbeit endlich fertig war, erwischte ich meine Freundin dabei wie sie den letzten Tropfen süßsaure Suppe aus der Tupper-Dose leckte.
?Boah?, sagte ich. ?Du bist ja mutig. Das Zeug steht doch schon seit Tagen im Kühlschrank.?
Dabei verzog ich mein Gesicht.
?Wenn man sie gut kühlt, hält sie sich problemlos eine halbe Woche,? entgegnet meine Freundin altklug.
?Das wird sich der Chinamann auch sagen haben,? konter ich leise, fast flüsternd, damit sie mich bloß nicht versteht.
Sinnlos bei meiner Schnecke. Die versteht jedes Wort, selbst wenn man ganze Ozeane und Kontinente entfernt ist. Ich glaube, das hat was mit Telepathie zu tun. Ach ja... außerdem stehen ich ja auch nur wenige Zentimeter von ihr entfernt.
?Wie meinst du das?? pafft sie mich an.
?Du glaubst doch selbst nicht, dass der Chinamann jeden Tag frische Suppe kocht,? platzt es aus mir heraus. ?Du kannst froh sein, wenn er das Zeug nicht schon dreimal aufgewärmt hat.?
Daraufhin habe ich meine Freundin für eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Nur abundzu drangen verdächtige Geräusche aus dem WC an mein Ohr und als ich nachfragte, verfluchte sie mich. Selbstverständlich war die Suppe nicht schuld an ihrem Zustand, sondern nur und ganz allein meine Person. Warum jetzt genau, habe ich nicht ganz verstanden. Doch sie ließ keinen Zweifel daran, dass ich der wahre Grund allen Übels auf diesem Erdenrund bin. Und vom Chinamann wollte sie auch nichts haben.
Keine Angst, liebes Tagebuch, es geht ihr schon wieder besser. Ich stelle gerade fest, dass meine Frühlingsrollen weg sind.

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Steven

Schneemannbauen richtig
Steven am 04.01.2006 um 01:03

Zwischen Weihnachten und Neujahr hab ich mich mit meiner Freundin bei meinen Eltern einquartiert. Zum einen weil ich keinen Bock auf kochen habe, zum anderen... Mmmm das war eigentlich schon der einzigste Grund. Ist ja auch egal! Jedenfalls war die Idee doch nicht so gut, wie ich zuerst dachte.
Eigentlich wollte ich etwas abschalten und relaxen, doch schon am ersten Tag wurde das Haus meiner Eltern von dutzenden Verwandten und Bekannten belagert. Sogar die Freundinnen meiner Schnecke tauchten plötzlich auf und da es draußen schneite, wie schon seit zehn Jahren nicht mehr in Berlin, hatte ich nicht die kleinste Chance zu entkommen.
Fast war ich froh, dass ich ab und zu den Weg vorm Haus frei zuschaufeln durfte.
Meine Freundin meinte zwar, dass ich nicht jede Stunde rausgehen müsste und es vollkommen reichen würde, morgens und abends zuschüppen, aber... Was weiß die denn schon!
Jedenfalls hab ich Schnee geschippt. In den letzten Tagen kam auch wirklich ne?ganze Menge runter. Es war zwar nicht so schlimm wie in Prizien, wo wir uns durch drei Meter hohe Schneewehen graben mussten, um aufs Klo zu kommen. Aber irgendwann war es so viel, dass es nicht mehr ausreichte, den Schnee zur Seite zu schieben, weil schon bald kein Platz mehr für die Autos da war und ich musste den Schnee zu einem großen Haufen auftürmen.
Zwei Tage vor Silvester war der Schneehaufen so groß, dass ich nicht mehr hinüberblicken konnte und ich überlegte, wo ein guter Standort für einen Zweiten sein könnte. Da sprachen mich drei Knirpse, vielleicht zehn Jahre alt, an und fragten höfflich, ob sie meinen (Ja, sie sagten ?meinen?) Schnee haben dürften, damit sie einen Schneemann bauen können.
Im ersten Moment dachte ich, die wollen mich verarschen. Ich mein, seit wann gehört den der Schnee jemanden? Was kommt dann als Nächstes? Rechnungen von den Wasserwerken und der Bewag für Regen und Sonnenschein? Und warum fragen die einem Fremden, also mich, ob sie einen Schneemann bauen dürfen? Das ist doch schließlich das Recht aller Kinder!
Ich vermutete sofort einen Trick. Wahrscheinlich brauchen die kleinen Scheißer den Haufen nur, um sich Schneebälle zubauen, mit denen sie mich dann bewerfen würden.
Aber als ich die Großstadtbrut einen Augenblick nachdenklich betrachtete, wurde mir schnell klar, dass sie noch nie in ihrem kurzen Leben richtigen Schnee gesehen hatten und mit dem plötzlichen Wintereinbruch völlig überfordert waren. Also beschloss ich, ihnen zu helfen.
Ich nahm sie zur Seite und erklärte ihnen, wie man einen Schneemann richtig baut. Dazu braucht man eben nicht einen Haufen alten, harten Schneematsch, sondern ausschließlich frischen Schnee.
Zuerst formt man eine kleine Kugel und rollt sie dann durch den Schnee. Da durch wird sie immer größer. Das macht man solange, bis sie groß genug ist und das Ganze wird zwei Mal wiederholt. Natürlich müssen die nächsten Schneekugeln kleiner sein. Versteht sich!
An den zweifelnden Gesichtern konnte ich erkennen, dass jetzt die Drei dachten, dass ich sie verarschen will. Darum musste ich ihnen bei der ersten Schneekugel helfen. Dabei gab ich noch einige gute Ratschläge, die mir gerade einfielen, wie zum Beispiel: Dass man um gelben Schnee eine weiten Bogen machen muss oder Schneekugel nicht auf der Straße rollen, weil der Schnee dort schmutzig ist. Schließlich haben die kleinen Würmer die komplizierte Technik kapiert und machten allein weiter. Stellten sich dabei auch nicht all zu dumm an. Allerdings wurde aus dem Schneemann kein Schneemann, sondern eine Schneefrau mit zwei überaus deutlichen weiblichen Attributen. Und die zwei Schneebälle, die monströs aus der mittleren Schneekugel ragten, zähle ich als eine der zwei typischen Merkmale. Diese kleinen Perverslinge!
Während die Hosenscheißer noch mit der weiblichen Anatomie kämpften, bereitete ich ein Arsenal aus dutzenden Schneebällen vor. Genug um mir einen kleinen Vorsprung vor sechs flinken Händen zu verschaffen und kaum waren die kleinen Maden mit Frau Schneemann fertig, traf meine erste Kugel. Ein gnadenloses Bombardement prasselte auf sie herab und der Pulverschnee legte sich wie ein feiner, weißer Nebel über die Landschaft.
Vielleicht erinnerst du dich noch, liebes Tagebuch, was ich vorhin über die Drei gesagt habe. Ja, sie waren völlig überfordert. Zu meiner Zeit hätte ein so heimtückischer Angriff eine stundenlange Schneeballschlacht ausgelöst, mit etlichen Schwerverletzten und einem Sachschaden in den Hunderttausenden. Was Viele nicht wissen, aber wirklich stimmt, ist, dass der Erste Weltkrieg nur deshalb ausbrach, weil irgend so ein österreichischer Prinz in Sarajevo einen Schneeball in die Fresse bekommen hat. Ist wirklich wahr!
Die Weltgeschichte wäre wahrscheinlich völlig anders verlaufen, wenn der Prinz damals genauso reagiert hätte, wie die drei Weicheier heute.
Die haben einfach angefangen zu heulen und suchten Schutz hinter der Schneefrau, als wäre sie ihre richtige Mama. Aber nicht mit mir! Ich kenne jeden Trick! Wahrscheinlich warten sie nur auf eine Gelegenheit für einen Angriff!
Gnadenlos deckte ich sie mit Schneebällen ein, bis das Geschlecht des Schneeetwas nicht mehr zu erkennen war. In einer kurzen Feuerpause als mir die Munition ausgegangen war und ich schnell einen neuen Schneeball formte, rannten die Heulsusen davon. Ich wartete eine Weile auf den Gegenschlag, der jedoch nie kam, und ging dann zurück ins Haus.
Die drei Schneemännchen habe ich bis jetzt nicht wieder gesehen. Wahrscheinlich mussten sie zum Mittagessen oder so. Naja, zumindestens habe ich ihnen vorher noch einen Crashkurz in Sachen Wintersport verpasst.
Ach... Und die Überreste der Schneefrau habe ich zu Silvester in die Luft gejagt.
Selbst gebaute Knaller sind doch die Besten!

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Steven

Ein Herz für Viren
Steven am 20.12.2005 um 20:29

oder
Wie ich Weihnachten rettete

Ja es ist kalt, nass und dunkel geworden. Und mit der Kälte, der Nässe und der Dunkelheit, sind auch all die kleinen Krankheitserreger aus ihrem Sommerschlaf erwacht. Um es kurz zu machen, liebes Tagebuch, heute Morgen habe ich mir die Seele aus dem Leib gekotzt.
Aber keine Angst. Du weißt ja, dass ich die Kondition eines Pferdes habe und wenn Pferde kotzen, ist der Heilungsprozess meist auch schon abgeschlossen.
Trotzdem rotierte mein Magen noch ganz schön und ausgerechnet heute, musste Peter vorbeikommen. Er wollte unbedingt auf ein Bier weg. Da es mir aber noch nicht so gut ging, blieben wir stattdessen Zuhause und beschränkten uns auf Cola Whiskey.
Irgendwann kamen wir auf unser Lieblingsthema, Microsoft und den olle Bill Gates. Gerade Peter kann stundenlang über den kleinen Mann lästern und im Gegensatz zu mir, weiß er, wovon er spricht. Er hat Informatik oder so etwas Ähnliches gelernt. Ich kann eigentlich nur immer stumm nicken und versuchen an den richtigen Stellen zu lachen. Aber heute wollte ich auch mal was sagen, etwas das ich mir schon sehr lange zu Recht gelegt hatte und ergriff kurz entschlossen das Wort. Ob die kleinen Bastarde, die ich heute Morgen nicht vollständig losgeworden bin, Schuld waren oder es an der vierten Mischung lag, weiß ich nicht. Aber kaum hatte ich Peters Aufmerksamkeit, da war die Sache weg, die eigentlich sagen wollte. Einfach weg! Verdammt!
Dir kann so etwas natürlich nie passieren, liebes Tagebuch. Mein Gedächtnis ist allerdings in letzter Zeit wirklich löchrig geworden. Damit ich nicht ganz so blöd da stand, saugte ich mir irgendetwas aus den Fingern und schwafelte über meinen alten Rechner.
Erstaunlicherweise hatte ich damit einen Volltreffer gelandet, Peter wollte sofort meinen alten Computer sehen. Das ging leider nicht, schließlich hatte ich die Krücke vor einem Monat wieder runter in den Keller gebracht.
Peter regte sich plötzlich furchtbar auf, als hätte ich ein Kind da unten eingesperrt. Sein Verhalten hat mich wirklich erstaunt, schließlich hatte ER seine eigene Katze einschläfern lassen, um sich eine fünfhundert Euro teure Operation zu sparen.
Erst als ich ihm versicherte, dass die Kiste luftdicht verpackt war, beruhigte er sich etwas, und fragte mich, wie alt dat Teil nun eigentlich ist.
?Er hat noch ne?Kurbel an der Seite,? antwortete ich, was Peter überhaupt nicht verstand und deshalb setzte ich sofort nach: ?Und er läuft mit der Windows Urversion. Das heißt, wenn er läuft!?
Gemerkt, Tagebuch? Das war ein Insiderwitz, über den nun wirklich keine Sau mehr lachen kann... außer Peter, der bepisst sich jedes Mal, ob wohl ich den, in seiner Gegenwart, wahrscheinlich schon hunderte Male losgelassen habe.
Ja, er jappst wie ein Walross und fragte mich, wie viel ich für den Rechner haben will. Und weil er sich immer noch nicht einbekommen hatte und ich in zwischen bei meinem fünften Cola Whiskey war, dachte ich natürlich, dass er jetzt einen Scherz mit mir macht und erwiderte: ?100 Euro.?
?Abgemacht!? schrie er plötzlich auf und schlug ein, dabei riss er mir mein Glas aus der Hand.
Nach dem Wir die Sauerei weggemacht hatten, harkte Peter nach, ob ich SEINEN Rechner nicht aus dem Keller holen könnte. Erst jetzt kapierte ich, dass er es Ernst gemeint hatte und für einen Moment war ich wirklich hin und her gerissen.
Einerseits brauche ich den Computer noch, alldieweil Spiele wie, DSA, Monkey Iland und natürlich Diceworld unter XP einfach nicht laufen. Außerdem ist Peter ja mein Freund und die alte Kiste ist noch nicht einmal mehr nen? Kasten Bier wert. Anderseits werde ich wohl nie wieder einen Idioten finden, der mir für den Haufen Schrott sage und schreibe hundert Euro abdrückt!
Also machten wir das Geschäft und nach der sechsten Mischung luden wir meinen Excomputer ins Auto. Im Keller entdeckte Peter noch meinen Videorekorder, den er natürlich auch noch haben wollte.
?Zum Tauschen,? meinte er.
Weil ich ein schlechtes Gewissen wegen der 100 Kröten hatte oder vielleicht war es auch nur das Zureden meines guten, alten Freundes Jack, jedenfalls schenkte ich ihm das Teil für umsonst. Und weil ich außerdem so ein verdammt netter Kerl bin, schleppte ich ihm alles noch in seine Wohnung. Dort habe ich die alte Mühle neben neun andere Computer abgestellt.
Ja, Tagebuch, du hast mich schon richtig verstanden! Peter hat neun, inzwischen zehn uralte Computer in seiner Wohnung zu stehen, komplett mit Tastatur und Bildschirm! Und alle laufen! Möchte nicht wissen, was Peter jeden Monat an die Bewag abdrücken muss. Jedenfalls ist jetzt eine Erklärung fällig!
Mehr oder weniger bekam ich die auch von Peter. Also, er sammelt Viren.
Computerviren, falls du dich jetzt wundern solltest, liebes Tagebuch. Aber nicht diese fiesen Mistdinger, die deinen Computer vergewaltigen, Konten leer räumen, Festplatten zerhauen und auf geheimnisvolle Weise Schmuddelbilder auf deinem Monitor erscheinen lassen.
Neeeeiiiiinnnnnn!!! Peter sammelt nur Klassiker, die in einem modernen Netzwerk keine zwei Sekunden überleben würden. Unglaublich aber wahr! Computerviren, die von der rauen Hand der digitalen Evolution gnadenlos ausgesiebt wurden, finden bei ihm ein zweites Zuhause.
Stolz zeigte er mir seine komplette Sammlung und quatschte mich zu. Schmerzlich bemerkte ich, dass Peter mir noch gar nichts zu trinken angeboten hatte und irgendwie ahnte ich, dass es dazu auch nicht mehr kommen würde. Und auf einmal hatte ich überhaupt kein schlechtes Gewissen mehr.
Irgendwann sagte ich so was wie: ?Schwachsinn!? Oder vielleicht war es auch: ?Zeitverschwendung!? oder so etwas Ähnliches. Jedenfalls musste Peter mir sofort ein seine Computerviren vorführen.
Zuerst war sein persönlicher Liebling daran und auf einem Bildschirm erschien ein grob pixliges Bild mit diesem Dinosaurier von Nintendo und der sagte: ?Heute hat Yoshi Geburtstag!?
Da fragte mich Peter grinsend, was ich wohl jetzt machen würde.
Ich zuckte mit den Schultern und Peter tippte ?Happy Birthday, Yoshi!? ein und der Rechner arbeitete weiter.
?Das waren noch Viren!? meinte Peter. ?Echte Kunstwerke, nicht so ne? Arschlochprogramme, die alles kaputt machen!?
Meine Fresse! War der voll! Eine halbe Stunde musste ich seine Vorführung ?total ausgetrocknet? ertragen, bevor ich mich absetzten konnte. Naja, ein paar interessante Sachen waren ja schon dabei. Einer der Letzten war das Virus aus dem Film in dem die Aliens das Weiße Haus in die Luft gesprengt haben. Richtig mit lachendem Todesschädel und allem und nach zehn Sekunden ließ er den Rechner abstürzen.
?Harmlos,? kommentierte Peter. ?Alle Daten sind noch auf der Festplatte... natürlich nur, wenn man sie rechtzeitig abgespeichert hat. Ist ja klar!?
Okkkaaaayyyy, dachte ich mir und machte mich unbemerkt vom Acker.
Was Peter jetzt mit den zehn Rechnern macht oder vor hatte oder sonst was, weiß ich zwar immer noch nicht so genau, aber ich hatte wirklich keine Lust noch weiter nachzufragen.
Zu Hause wartete meine Freundin in der Küche auf mich. Sie hatte gerade Feierabend gemacht und war noch genervt von der Arbeit. Ich entschloss mich sie etwas aufzuheitern und erzählte ihr, was mir gerade passiert war. Sie nahm die Geschichte auch sehr gut auf, besonders die Sache mit den hundert Euro, nur den Teil mit dem Videorekorder ließ ihre Auge plötzlich ganz groß werden.
?Und womit sehen wir uns jetzt unsere Filme an?? schrie sie.
Ich blieb natürlich cool und konterte, dass wir uns gar keine Videos ansehen. Wir haben schon immer nur DVD gekuckt und außerdem habe ich die Videos schon vor einem halben Jahr weggeworfen.
Das hat sie leider nur noch mehr aufgeregt und ich musste ihr erklären, dass die Kassetten nur rumstanden und Staub fingen. Wir sahen sie uns nie an, die Halfte war kaputt und verkaufen konnten wir sie auch nicht, noch nicht einmal mehr verschenken. Naja, vielleicht an Peter, aber unter normalen Umständen wurden wir die Videos nicht mehr los. Also weg mit den Teilen und dann brauchten wir natürlich auch keinen Rekorder mehr. Das verstand sie, doch meine Kleine findet immer etwas, an dem sie sich hoch ziehen kann.
?Und wie sehe ich mir jetzt mein Abi-Video und die ganzen anderen Privatsachen an?? nörgelte sie herum und ich antworte: ?Gar nicht! Die habe ich mit den anderen Kassetten weggeworfen!?
Wusstest du, mein Tagebuch, das Kakerlaken anfangen zulaufen, noch bevor sie wissen warum? Genau so etwas ist mir in dieser Sekunde passiert. Nein, ich bin nicht weggerannt, obwohl das sicherlich das Naheliegendste gewesen wäre. Nein-Nein! Etwas viel Erstaunlicheres ist passiert. Irgendwo in den Windungen meines Kleinhirnes ging eine Schublade auf und ein kleiner Virus schaltete meinen gesamten Hauptrechner ab. Deshalb kam der letzte Satz auch nicht über meine Lippen und verlor sich in den unendlichen Weiten meines Unterbewusstseins.
Ich stand also da, hörte meiner Freundin zu und sabberte etwas.
Scheiße! dachte ich nach fünf Minuten. Weihnachten ist im Arsch! Wenn meine Schnecke rausbekommt, dass ich ihre gesamten Privatvideos auf den Müll geworfen habe, bringt die mich um! Die parkt ihren Opel auf meinen Eiern und lässt es wie einen Unfall aussehen!
?Und was machen wir jetzt?? fragte sie mich nach einer Weile.
?Äh... was??
?Wegen meinen Videos!? bohrte sie erbrammungslos nach.
Glücklicherweise fiel mir gerade noch etwas ein.
?Wir brennen sie auf DVD!? sagte ich schnell und die Augen meiner Schenke leuchteten auf. ?Wir brauchen aber die Originalvideos!?
Nun ist meine Freundin leider nicht annähert so technisch unbegabt, wie man es von einer Frau verlangen konnte und wurde deshalb auch sofort misstrauisch.
?Warum denn das??
?Weil deine Film total abgenutzt sind und es überhaupt keinen Sinn macht, die noch mal zu überspielen.?
Dann erzählte ich ihr irgendwas von entladenen Magnetbändern und eingestaubten Tonköpfen und so was. Erstaunlicherweise nahm sie mir den Scheiß tatsächlich ab. Ich hatte sogar den Eindruck ihr würde die Sache irgendwie gefallen.
Ihre Schulfreundin, mit der sie seit Jahren nicht mehr gesprochen hat, besaß alle Originale der wichtigsten Videos und noch einige andere Filme, die sie aber nicht herausrückte.
?Damit die nicht verschwinden!? äffte meine Schnecke ihre ehemalige beste Freundin nach. ?Die blöde Kuh!?
Das hat sie wirklich gesagt! Meine Freundin war von einer Sekunde auf die andere, so kratzbürstig wie eine beleidigte Katze. So kannte ich sie gar nicht. Etwas Schreckliches musste damals zwischen den beiden passiert sein und das war mit einem Mal wieder da.
So musste sich also Pandora gefühlt haben, als sie damals die dämliche Büchse aufgemacht hatte. Ich fand es aber nicht so schlimm. Meine Freundin hatte jemand anderen gefunden, auf den sie rumhacken konnte und ich hatte Weihnachten gerettet... zumindestens MEIN Weihnachten! HA!
Mit den DVDs brennen kann mir sicherlich Peter helfen. Er schuldete mir sowieso noch wat, wegen dem Rekorder.

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Steven

Weihnachtsgeschenke
Steven am 09.12.2005 um 21:24

Heute hatte ich frei und weil meine Freundin arbeiten musste, bin ich allein los um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.
Wenigstens einmal will ich nicht am Heiligen Abend noch mal schnell losrennen, um panisch nach Geschenken zu suchen.
Leider hat das heute auch nicht besser geklappt als sonst. Bin stundenlang herumgeirrt um was zu finden, hatte aber überhaupt keine Idee was.
Vor drei Jahren hab ich es mir ganz einfach gemacht und in Namen meiner Familie gespendet. Fanden auch alle super. Nur nachdem klar war, dass es ansonsten von mir nichts mehr gab, war die Stimmung irgendwie im Arsch.
So etwas kann ich mir nicht noch einmal leisten.
Also hab ich mir erst einmal eine Liste gemacht, wenn ich alles was schenken muss.
Zuerst natürlich meiner Freundin. Das war einfach. Ich bin direkt zum Juwelier und hab mir dort jede Menge Schmuck zeigen lassen. Glücklicherweise hat meine Freundin im Bezug auf Schmuck keinen besonders anspruchsvollen Geschmack. Hauptsache echt Gold und mit vielen, vielen Diamanten besetzt. Hab auch gleich das Passende gefunden, nur leider hat mein Dispo dafür nicht gereicht. Ich hab dann eine Weißgoldkette genommen mit einem süßen Delfin. Dazu noch ein paar Kleinigkeiten und meine Schnecke wird glücklich sein.
Dann noch meine Eltern. Dad bekommt ein Ägyptenbuch und Ma ein Flasche Poisson so wie jedes Jahr. Nicht unbedingt originell, aber dafür kann ich die Zwei gleich mal von der Liste streichen.
Dann überlegte ich, ob meine Kumpels auch was bekommen sollten. Meine Freundin schenkt ihrer Freundinnen immer was. Aber Gott sei Dank, ist das ja bei echten Männern nicht so! Wenn ich anfangen würde, meinen Kumpel was zu schenken, denken die vielleicht noch ich bin schwul...
... Schwul? Oje, da ist ja noch Frank, der Arbeitskollege meiner Freundin. Ich würde ihn zwar nicht unbedingt zu meinen Freunden zählen, aber neulich zu Niklaus hat der mir den neuen Bildband von Paul Kidby geschenkt. Hat er extra für mich bestellt. Ich war total überrascht und wenn ich ehrlich bin, war das eins der besten Geschenke, die ich jemals bekommen habe. Genau nach dem Teil habe ich seit einer Ewigkeit gesucht. Woher wusste er das nur? Und zu Weihnachten haben wir ihn eingeladen, da wird er mir bestimmt auch was schenken. Oje-Oje-Oje!
Ich beschloß, mich erst einmal um die Familie zu kümmern. Meine Onkels und Tanten, Omas und Opas und der ganze Rest, kriegen ne? Karte, also ab zu Mc Paper.
Auf dem Weg dort hin, trampel ich beinahe so einen kleinen Schreihals um, der da rumsteht und nach seiner Mutter plärrt. Ich mich aber darn nicht weiter gestört und zu Mc Paper rein. Dort habe ich zirka hundert Weihnachtskarten gekauft. Die Göre plärrt immer noch.
Ich wieder raus und bleibe vor der Schaufensterscheibe stehen. Darin liegt so ein Maler-Set für Unfähige. Du weißt schon, Tagebuch, wo diese Felder darauf sind und man nur noch die Farbe einfügen muss. Und ich muss an meine ältere Schwester denken. Meiner Jüngerin hab ich ja bereits ein Computerspiel gekauft, doch für sie hatte ich noch nichts.
Nun muss ich gestehen, dass ich schon seit ich klein bin, immer versucht habe, meine ältere Schwester mit meinen Geschenken aufzuziehen. Nur leider klappt das nie.
Einmal hab ich ihr eine Handtasche mit so einem Kuhfellmuster gekauft um sie zu ärgern, heute ist die Kuhtasche ihre Lieblingsteil und sie schleppt sie überall mit herum. Verdammt, können Frauen eklig sein!
Sie wiederum schenkt mir immer irgendetwas selbst Gemachtes, seit ein paar Jahren sind es Bilder.
Das kann ich doch auch, denke ich. Okay, malen kann ich vielleicht nicht, meine Schwester allerdings auch nicht. Das geht also in Ordnung.
Das Balg neben mir schreit immer noch. Man müsste doch meinen, dass die irgendwann leiser werden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die werden immer lauter.
Ich dreh mich um, damit ich den verantwortlichen Erziehungsberechtigten einen finsteren Blick zu werfen kann.
Nur da war keiner, nur ein Haufen genervter Konsumenten, die den Kleinen, vielleicht war er zwei Jahre alt, angepisst ansahen.
Nen? paar Minuten sehe ich mich nach jemanden um, der sich für den Zwerg verantwortlich fühlt. Tut aber keiner. Alle laufen ganz schnell weg.
Keine so schlecht Idee, finde ich und will auch gehen. Natürlich tu ich das nicht.
Nicht will ich Kinder gern habe oder so. Nein, ich habe einfach keinen Bock tagelang mit einem schlechten Gewissen herumzulaufen.
Also schnapp ich mir den Stöpsel und schüttel ihn solange, bis er aufhörte rumzubrüllen. Das geht erstaunlich schnell. Kaum drücke ich ihn an meine Schulter, schon ist er ruhig. Ich warte, ob vielleicht doch noch jemand irgendwelche Besitzansprüche erhebt. Dann gehe ich zu der Verkäuferin im Mc Paper und sage ihr, dass ich den Kleinen zur Information bringe, falls seine Mutter nach ihm fragt.
Am Informationsschalter erkläre ich der Angestellten, was passiert ist und bekomme dafür ein bestürztes ?Ohhhhhhhhhh!? zu hören.
Ich setzte den kleinen Scheißer ab und sehe das etwas auf meinem neuen Mantel glänzt. Zuerst denke ich der Wurm hat mich angekotzt, aber es war nur Rotz und Babysabber. Mann, kann ich ein Glück haben!
Wir rufen über Lautsprecher die Eltern aus, doch erst mal passiert gar nichts. Plötzlich kommt mir der Gedanke, dass ich den Kleinen nicht mehr los werde. Und was mache ich dann? Fragte ich mich.
Heh, das ist doch nen? super Geschenk für Frank! Geht es mir durch den Kopf. Schwule haben doch Probleme Nachwuchs zu bekommen. Nur den Sabber abwischen und eine Schleife dran und der Krümel ist das perfekte Weihnachtsgeschenk.
Leider kam es nicht dazu. Plötzlich war die heulende Mutti da und reißt mein tolles Geschenk an sich. Zwei Polzisten sind auch dabei. Anscheinend hat die Mutti gedacht, jemand hätte ihr Kind geklaut oder sie hat es nur behauptet, weil sie nicht zu geben wollte, dass sie ihn verloren hatte.
Ich sah mich schon den ganzen Nachmittag auf der Wache und darauf hatte ich nun wirklich keinen Bock. Unauffällig machte ich mich aus dem Staub.
Bekommt Frank halt ne?Flasche Wein oder so.

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Steven

Nix passiert!
Steven am 28.11.2005 um 01:12


Wieder eine Woche rum und nix passiert.
Aufstehen, duschen, essen und ab zur Arbeit. Dort meine Stunden geschoben und zurück nach Hause. Wieder essen, wieder duschen, Sex und etwas lesen vor dem Schlafen.
Und das, die letzten sieben Tage lang, in wiederholender, aber nicht unbedingt exakt gleicher Reihfolge. Ja, das war im Prinzip meine ganze Woche. Nicht spektakulär, aber immer hin wieder etwas näher an die Rente ran. Wann war noch gleich das neue Eintrittsalter? Mit 68 Jahren? 70? Wenn das so weiter geht, werde ich mich wohl erst mit 100 zur Ruhe setzen können. Achtzig Jahre arbeiten... Juhu! Das motiviert ungemein. Vielleicht sollte ich mir Kinder zu legen, die ich nach der Arbeit anschreien kann.
Das war?s, mein Tagebuch... Ach ja! Malotiki hat sich ein neues Auto gekauft. Eine Scheißkarre vor dem Herrn! Ein Ford Taunus in Bonbonblau mit kotzgrünen Streifen an der Seite und unzähligen Kratzern im Lack. Der Boden ist total verrostet, die Frontscheibe an zwei Stellen gesplittert und er hat nur noch eine Radkappe. Und das waren nur die Sachen, die ich auf dem ersten Blick gesehen habe!
Malotiki wollte natürlich wissen, was ich von seinem neuen Auto halte.
"Sieht gut aus," sagte ich und er: "Nicht wahr?"
"Yep," erwidere ich und weil mir nichts anderes einfallt: "Nen'echter Klassiker!"
Und Malotiki hört gar nicht mehr auf, von seiner neuen Karre zu schwärmen. Hat den Taunus von einem Kumpel gekauft, der ihn ursprünglich wieder aufbauen wollte. Erst jetzt bemerkte ich den fetten Sportauspuff, vorne die Schalensitze und natürlich Malotiki's Formel-1-Lenkrat aus seinem alten Opel.
Seinem Kumpel ist das Geld ausgegangen und deshalb hat er Malotiki den Taunus abgetreten. Für wie viel, wollte Malotiki nicht sagen. Hat wahrscheinlich schon geahnt, dass egal was er bezahlt hat, es definitiv zu viel war und ich muss ihm im Stillen recht geben. Vermuttlich wollte sein Kumpel sich nur die Verschrottung sparen.
"Was willst du als Erstes machen?" frag ich ihn.
"Die Lackierung," antwortet er stolz.
Ich sehe ihn erstaunt an. Selbst die billigste Lackierung würde immer noch mehr kostet, als der Taunus samt Sportauspuff und Formel-1-Lenkrat zusammen wert ist.
"Echt?"
Er ahnte schon, wie ich das meinte.
"Mach ich selbst. Brauch nur noch die Farbe kaufen und den Rost abschleifen."
Selbst die Farbe ist mehr wert als der Schrotthaufen.
"Pass aber auf, wenn du den Rost entfernst. Das scheint das Einzigste zu sein, dass den Ford noch zusammenhält," rate ich ihm.
"Ha-ha!" lachte Malotiki beleidigt.
Er hat nicht mitbekommen, dass ich das völlig ernst gemeint habe. Nebenbei erzählte er mir, dass er seinen alten Opel verkauft hat.
"Und womit fährst du jetzt?" fragte ich ihn darauf hin.
Er kuckt mich sauer an und knallt seine Hände auf das Autodach.
"Na hiermit!"
"Glaub ich nicht," sagte ich ihm ins Gesicht und zeige auf das Nummerschild. "Der TÜV ist seit einem halben Jahr abgelaufen."
Panisch starrt er auf die uralte TÜV-Plakette. Ich musste grinsen, als ich kapierte, dass er das noch gar nicht gemerkt hatte. Also Malotiki hat ja schon einige bekloppte Sachen gemacht... Als wir aus dem Kosovo zurückkamen, wollte er unbedingt "etwas erleben" und ich musste mit, weil er sich allein nicht traute. Er hat 200 DM für den Besuch bei einer professionellen Dame ausgegeben und nochmal 100, damit sie nicht herum erzählt, dass er keinen hoch bekommen hat.
Später hat er mir doch davon erzählt und mich gefragt, ob das normal sei. Ja, hab ich damals gesagt, das ist vollkommen normal... Aber ein Auto zukaufen, ohne sich den TÜV zeigen zulassen, ist echt die Härte!
Wir haben uns dann den Taunus von innen angesehen. Ich hab ja keine Ahnung von Autos, aber irgendwie bezweifelt ich stark, dass der verbrannte Klumpen Altmetall jemals auch nur im Ansatz ein echter Motor gewesen war. Die Bremsen hingen nur noch an zwei dünnen Drähten, etliche Schläuche waren mit Klebeband abgedichtet und wenn ich mich nicht irre, war der Tank mehr als einmal geschweißt worden. Kein gutes Zeichen.
Wenn ich meiner Expertise vertrauen konnte, bestand die einzigste Chance, das Malotiki seine Plakette bekommt, darin, dass die TÜV-Prüfer stock besofen waren oder einen überragenden Sinn für Humor besaßen und das entsprach eigentlich nicht meiner persönlichen Erfahrung.
Wir beschlossen den Taunus bei Malotiki?s Eltern unterzustehen und riskierten die kurze Fahrt dort hin. Nach einer halben Stunde stellten wir fest, dass die Strecke doch nicht so kurz war und dass die Polizei uns verfolgte. Und natürlich haben sie uns prompt angehalten. Wir brauchten nicht lange zu diskutieren, es war klar, was sie von uns wollten.
"Wir sind gerade unterwegs zum TÜV," sagten Malotiki und ich gleichzeitig, ob wohl wir beide ganz genau wussten, dass sie uns nicht glauben würden.
Erstaunlichweise haben sie uns geglaubt.
Einer der Beamten grinste und sagte, dass er uns zwei Straßen früher still gelegt hätte, aber da wir ja praktisch schon da sind, lässt er uns noch mal laufen.
Wir sahen uns kurz an und dann den Block hinunter. Da war er... der TÜV.
Die Polizei hat uns freundlicherweise bis zu ihnen begleitet und parkten genau vor dem Eingang. Uns blieb nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen.
Nun, mein Tagebuch, was glaubst du, wie ist die Sache ausgegangen?
Die Jungs vom TÜV haben gar nicht mehr aufgehört zu meckern, aber Malotiki hat seine Plakette schließlich mit etlichen Auflagen doch bekommen.
Hab ja gesagt, dass ich keine Ahnung von Autos habe.

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Steven

Das Leben ist schön!
Steven am 17.11.2005 um 22:43

Heute musste ich an Sascha denken. Er hatte mir mal sagt, "Das Leben ist eine einzige Feier! Drinke, solange du kannst und feiere, auch wenn die Musik aus ist."
Das war ein halbes Jahr, bevor er herausfinden wollte, wie weit sein Honda fliegen kann. Zwanzig Meter hat er geschafft.
Als wir ihn runtergelassen haben, lief "Come Back". Wollte er so. Sascha hatte immer schon einen eigenartigen Sinn für Humor. Ich musste einfach an ihn denken, als ich heute die neue Scheibe der Foo Fighters seiner Lieblingsband in den Händen hielt.
Er wollte nie älter als dreizig werden und jede Minute davon genießen. Und er war jemand, der immer sein Wort hielt.
Sascha hat in jedem Fremden einen Freund gesehen, in jeder Frau ein Abenteuer und jedes Treffen wurde, dank ihm, zu einer Riesenparty. Mit einem Freund wie ihm wird es wirklich nie langweilig.
Ich hab schon vor, etwas älter zu werden als er, aber jedes Mal, wenn es mir mal richtig dreckig geht, denke ich an ihn und die Art und Weise, wie er das Leben gesehen hat. Dann perlen die Probleme wie Regentropfen an mir ab und ich möchte voll lauter Lebensfreude nur noch schreien.
Manchmal mache ich es sogar!

Nach dem ich aus dem Plattenladen raus war, lief ich noch ziellos im Kaufhaus herum und hab mir PCspiele angesehen. Da sah ich plötzlich so einen kleinen Scheißer, der eine X-Box bearbeitet. Ich stellte mich hinter ihn und beobachte ihn eine Weile. Er war hoch konzentriert bei der Sache und bemerkt mich nicht. Gerade als er seinem Kuck-mal,-was-für-einen-langen-Schwanz-ich-habe!-BMW in eine neunzig Gratkurve lenkte, hielt ich ihm die Augen zu.
Obwohl ich lachte, war er ziemlich sauer und haute nach mir. Ich drehte mich blitzschnell um und fing seinen schwachen Schlag mit meiner linken, durchtrainierten Pobacke ab. Dabei machte ich ein Pups-Geräusch. Da musste auch der halbe Meter lachen.
Natürlich hab ich ihn zu einem Duell herausgefordert und wir legten sofort los. Ich hatte ganz schön zu tun, aber habe ganz gut mit gehalten können. Kurz vorm Ziel haut der kleine Scheißer sein Nitro rein und zog an mir vorbei.
Wow! Wusste gar nicht, dass wir dat überhaupt hatten! Glücklicherweise kamen dann noch ein paar enge Kurven und ich holte auf. Dabei verbrauchte ich mein gesamtes Nitro, aber ich überholte und lag um eine Fahrzeuglänge vorne. Hundert Meter vorm Ziel aktiviert der Kleine noch mal seinen Buster.
Dieser kleine Mistkerl! Er hatte sich noch etwas für den Entlauf auf gespart! Aber nicht mit mir! Als er genau neben mir war und vorbei rauschen wollte, rammte ich ihn und er krachte mit dreihundert Kilometer die Stunden in eine Betonmauer. Seine Karre ging sofort in Flammen auf und ich gewann!
Was für ein Sieg! Ich gegen einen Achtjährigen! Der größte Sieg seit Menschengedenken! Ach was... Der größte Sieg aller Zeiten überhaupt!
Ich muss schon sagen, der Kleine hat seine Niederlage wie ein (halber) Mann weggesteckt. Nach dem er seinen Kontroller gegen den Plasmaschirm geknallt hatte, weinte er nur noch etwas vor sich hin. Naja, ein paar Pups-Laute meinerseits und die Sonne ging wieder auf.
Weiß gar nicht, warum man solange studieren muss, um Pädagoge zu werden. Wenn man einige peinliche Körpergeräusche künstlich erzeugen kann, hat man die Brut doch Ruck-Zuck im Griff. Also, wenn man mich unter Kleinkinder aussetzten würde, wäre ich innerhalb einer Woche der König des Kindergartens.

Ich dann ab in die Bahn und weiter Richtung Heimat. Da sehe ich zwei total süße Mädchen vor mir. Okay, vielleicht etwas jung, aber kucken wird ja erlaubt sein. Ich sehe sie also an und lächle. Nach einer Weile bemerken sie mich und senken verlegen die Blicke. Ich lächle weiter. Sie tuscheln leise und nach ne?paar Minuten fragten sie mich, ob ich was will.
"Nö," sagte ich. "Ich schau mir nur gern schöne Sachen an."
Und, mein Tagebuch, was glaubst du ist dann passiert?
Die beiden sind Rot geworden! Unglaublich!
Wir haben uns dann noch nett unterhalten, bis ich aussteigen musste. Mann, was bin ich da gut drauf gewesen!

Zu Hause riss ich die Tür auf und stürmte ins Wohnzimmer. Meine Schnecke lag träge auf der Couch und lass gelangweilt irgendein Magazin. Ich sagte ihr, sie sollte sich was anziehen, wir gehen jetzt aus.
Meine Schnecke wollte nicht, weil es draußen ja schon so kalt war und fragte mich statt dessen, ob wir uns nicht lieber mit einer Tüte Kartoffelchips einen schönen Fernsehabend machen wollten.
Ich setzte mein WAS!-Du-hast-meine-gesamten-Porno-DVD-weggeworfen!-Gesicht auf und antworte ihr langsam: "Schatz, sag so etwas Schreckliches nie wieder!"
Dann packte ich sie mir und hob sie hoch. Sie zappelte und kreischte wie verrückt, und leider musste ich feststellen, dass sie etwas zu gelegt hatte. Natürlich sagte ich ihr das nicht und schließlich gab sie auf.
"Ich mach mich noch hübsch," sagte sie und wollte ins Bad.
Ich hielt sie fest und zog sie ganz dicht an mich heran. Ich blickte in ihre Augen, lächelte und sagte: "Es gibt nichts, das hübscher ist als du."
Na, Tagebuch, was ist dann passiert? Genau! Sie ist Rot geworden! Wahnsinn!
Verstehe einer die Frauen? Sagt man ihnen die Wahrheit ist mann gefühlslos, aber so ein paar kitschige Bemerkungen und sie schmelzen dahin. O Mann, hätte ich das nur früher gewusst!

Eigentlich wollte ich in einen Pub oder vielleicht sogar in die Disco und überlegte, wo hier was war. Plötzlich sah ich das riesige Potter-Poster vor unserem Kino und dachte noch: "Na hoffentlich hat sie dat net gesehen!"
Da fängt meine Schnecke auch schon an, wie ein junger Hund zu jaulen und zerrte mich zur Kasse. Ich hatte leider keine Wahl, wie meine Schnecke mir versicherte, schließlich war es ja meine Idee gewesen, auszugehen. Deshalb durfte ich auch bezahlen.
Selbst kuscheln wollte sie nicht, weil im Kino ja Kinder waren. Allerdings... als ich mich umsah, waren da nur Frauen mit ihren genervten, männlichen Begleitern. Komisch...
Drei Stunden mit Werbung und Pause dauerte der Film! Drei Stunden und die wahrscheinlich schlechteste Potterverfilmung überhaupt! Da fehlt mehr als die Hälfte aus dem Buch und zwar die interessante Hälfte! Meiner Schnecke ist dat egal, sie hat die Bücher nie gelesen, obwohl ich sie ihr schon einem Jahr geschenkt hatte.
"Ich brauche sie nicht lesen, wenn die als Filme rauskommen," erzählte sie mir in der Pause, kurz bevor ich nochmal Popcorn holen darf. "Filme sind sowieso viel besser als Bücher. Bei Herr der Ringe war das genauso."
"Du hast Tolkien nie gelesen!" protestiere ich.
"Warum auch? Gibt es doch auf DVD!"
Irgendwann in diesen drei Stunden ging meine gesamte Lebensfreude, mit der ich hochgeputscht durch den Tag gerast war, verloren. Höchstwahrscheinlich, weil das Kokain aufhörte zu wirken. NEIN! Ist nur Spaß! Wer braucht schon Drogen, wenn er zu Hause einen ganzen Kühlschrank voll mit Bier hat?

Sascha, ich denk an dich.

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