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Cover The Hive Construct englisch

In New Cairo am Rande der Sahara ist ein Virus ausgebrochen. In der abgeschotteten Stadt mit ihren zehn Millionen Einwohnern fallen plötzlich die künstlichen Implantate in den Körpern der Menschen aus. Während einige davon lediglich Komfortfunktionen erfüllen, wie erhöhte Muskelkraft oder in die Augen integrierte Bildschirme, sind andere, wie künstliche Herzen, lebensnotwendig. Wer infiziert wird, hat meist keine Überlebenschancen und bricht augenblicklich tot zusammen.

Die Hackerin Zala Ulora ist in die Stadt zurückgekehrt, aus der sie vor acht Jahren zusammen mit ihrem Vater fliehen musste. Damals hat ein Großunternehmen ihr mehrere Morde angehängt, um ihren Vater, einen äußerst talentierten Programmierer, zu ködern. Vor ihrer Flucht besuchte Zala die Universität zusammen mit ihren zwei engen Freundinnen, Chloe und Polina. Chloe ist dem Virus zum Opfer gefallen und so wandert Zala durch die Wüste und überlistet die Scannersysteme der Stadt, um sich mit Polina zu treffen und mit ihr der Beerdigung beizuwohnen. Doch sie hat New Cairo sehr vermisst und will länger bleiben, in der Hoffnung mehr über den Virus herausfinden zu können. Falls sie den Virus aufhalten kann, hat sie eine Chance das Großunternehmen dazu zu bewegen, die Anklagepunkte gegen sie fallen zu lassen. Dann hätte sie die Möglichkeit, wieder ein normales Leben in der Stadt zu führen und sich eine Zukunft aufzubauen.

Zeitgleich formiert sich eine Widerstandsbewegung gegen die Regierung von New Cairo, die die Armenviertel abgeschottet hat, um den Virus einzudämmen. Es kommt zu Straßenkämpfen und Ryan Granier, der Sohn des Ratsvorsitzenden und selber Regierungsmitglied, wird vom New Cairo Liberation Corps entführt. Anfangs ebenfalls unfreiwillig in der Gesellschaft der Gruppe befindet sich Alice Amirmoez mit ihren beiden Kindern. Ihr Mann war eines der Gründungsmitglieder und ist bei den Straßenkämpfen ums Leben gekommen. Jetzt will Alice mit ihren Kindern nur noch aus der Stadt fliehen und hofft, dass sie das NCLC herausschleusen kann. Doch während die Tage vergehen findet Alice eine neue Bestimmung. Indem sie Missionen für das NCLC vom Computer aus koordiniert, kehrt Ordnung in ihr Leben zurück und sie geht immer mehr in ihrer neuen Aufgabe auf.

Als Zala in einen Serverraum einbricht und erste Anhaltspunkte für die Ursprünge des Virus findet, erhält sie eine Nachricht von jemanden, der sich ANANSI nennt. Irgendwie hat es der Hacker geschafft, sich an allen ihren Sicherheitsprotokollen vorbei zu schleichen. Er warnt sie, um sie von ihren Ermittlungen abzuschrecken. Doch Zala macht weiter und kontaktiert mit den gefundenen Informationen das NCLC, das damit sogleich an die Öffentlichkeit geht. Scheinbar wurde der Virus gezielt in einem Labor hergestellt und neben einem Großunternehmen könnte auch die Regierung beteiligt sein. Dies führt schnell zu einer Verschärfung der Gewalt auf beiden Seiten.

Die Situation in New Cairo eskaliert im Verlauf des Romans Zusehens. Es werden dabei sowohl das äußerst brutale und gewaltbereite Vorgehen der Terroristen, wie auch das harte Durchgreifen der Regierung thematisiert. Dies geschieht indem die Geschichte Zala, Ryan und Alice begleitet. Die Figuren steuern sehr unterschiedliche Perspektiven bei. Alle werden immer wieder mit sehr schwierigen moralischen Entscheidungen konfrontiert, die Leben und Tod von zum Teil Millionen anderer Menschen bedeuten können. Als Konsequenz des Geschehens verändern sie sich stark. Zala beginnt auch das Wohl anderer zu berücksichtigen und Ryan betrachtet Zunehmens beide Seiten des Konflikts. Die größten Veränderungen zeigen sich jedoch bei Alice, die es aus Sorge um ihre Kinder in Kauf nimmt, dass viele andere unschuldige Menschen getötet werden.

The Hive Construct entwickelt sich rasch zu einem spannenden Science Fiction-Thriller mit Tendenz zur Dystopie. Es könnte bei Lesern auf Interesse stoßen, die sich für Visionen der nahen Zukunft und Hackergeschichten begeistern können. Leser, die diese Thematik nicht anspricht, können das Buch vom Politikwissenschaftler Alexander Maskill als Studie darüber ansehen, wie Menschen in Extremsituationen in den Terrorismus getrieben werden, was die Geschichte nicht weniger interessant macht.

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