Inhalt

Good Omens

In elf Jahren soll es zum endgültigen Kampf zwischen Gut und Böse kommen. In elf Jahren soll der Sohn Satans, der Antichrist, erwachen. Noch ist dieser jedoch ein kleines Kind, das die Dämonen auf der Erde in einem Krankenhaus gegen ein anderes Kind austauschen wollen. Doch dabei kommt es zu einem Mißverständnis und ein drittes Kind kommt ins Spiel.

Die nächsten elf Jahre versuchen sowohl der Dämon Crowley, als auch der Engel Erziraphael den jungen Warlock auf die Seite des Bösen oder des Guten zu ziehen, was ihnen aber einfach nicht gelingen will. Kurz vor dem prophezeiten Armageddon schickt die Hölle dem Sohn Satans zum Geburtstag den besten Höllenhund.

Crowley und Erziraphael erwarten verkleidet dessen Auftritt auf Warlocks Geburtstagsparty, doch nichts allzu ungewöhnliches geschieht. Eine Nachfrage in der Unterwelt ergibt, dass das Monster planmäßig zur Erde aufgefahren und nun bei seinem Herrchen ist.

Nun versuchen die beiden das richtige Kind zu finden und zwar gemeinsam! Die beiden alten Freunde haben nicht vor ihn auf ihre Seite zu ziehen, sondern das Ende der Welt zu verhindern. Denn einen ewigen Himmel oder eine ewige Hölle können die beiden sich einfach nicht vorstellen, ihnen gefällt es auf der Erde, auf der sie nun schon fast 6000 Jahre arbeiten.

Und damit sind sie nicht allein. Auch Anathema, letzte Nachfahrin der besten Wahrsagerin und Hexe Agnes, und Newton, letzter Nachfahre des Hexensuchers Du-sollst-nicht-ehebrechen, wissen durch die Prophezeiungen vom Ende der Welt.

Während dessen machen sich die vier Reiter der Apokalypse auf ihren Weg dem Untergang entgegen...

Umsetzung

Good Omens ist eine sechsteilige Miniserie, die auf dem gleichnamigen Roman (deutscher Titel Ein gutes Omen) von Terry Pratchett und Neil Gaiman aus dem Jahr 1990 basiert.
Die Serie wurde in einer Kooperation der Amazon Studios, der BBC Studios und den beiden Produktionsunternehmen der beiden Autoren, der The Blank Cooperation (Neil Gaiman) und Narrativia (Terry Pratchett) produziert. Regie führte Douglas Mackinnon. Neil Gaiman schrieb das Drehbuch und fungierte auch als Showrunner. Die Serie wurde erstmals am 31. Mai 2019 auf Amazon Prime in mehreren Sprachen veröffentlicht. Dieses Review bezieht sich auf die originale englische Sprachfassung.
Die einzelnen Folgen dauern im Schnitt etwa je 55 Minuten.

Good Omens

Adaptionen sind immer eine heikle Sache, da die Erzählweisen und -strukturen in verschiedenen Medien anders funktionieren und eine Übertragung oftmals nicht wirklich möglich ist. Noch dazu gab es in der Vergangenheit schon mehrere Anläufe dieses be- und geliebte Buch filmisch zu adaptieren. Jahrelang geisterte es als "nächstes Projekt" von Terry Gilliam durch die Medien und Fancommunities. Doch diese Versuche scheiterten immer. Entweder war das Drehbuch nicht gut genug, oder es fehlte an Geld. Man kann erahnen unter welchem Druck die Beteiligte gestanden haben müssen, diese Umsetzung richtig hin zu bekommen. Insbesondere Neil Gaiman, der damit den letzten Wunsch seines Freundes Terry Pratchett erfüllt hatte.

Auch wenn ich mich nach der Ankündigung und dann nach den Teasern und Trailern der Serie entgegenfieberte, so hatte ich dennoch ein paar Bedenken. Die bisherigen Verfilmungen der Werke von Terry Pratchett hatten alle ihren Makel - oftmals ein zu geringes Budget und auch in den ersten Teasern konnte man ein paar Mal das grüne Schimmern des Greenscreens entdecken. Andere Verfilmungen waren optisch besser, strichen den Plot aber so zusammen, dass man ohne vorher das Buch gelesen zu haben, ein paar Schwierigkeiten haben dürfte die visuelle Geschichte vollends zu verstehen. Das Buch Ein gutes Omen leidet hier außerdem noch unter dem Problem, dass sich vor allem am Anfang des Buches Szenen mit verschiedenen Charakteren und die in verschiedenen Zeiten spielen munter wechseln, Einschübe eingestreut werden und ähnliches. Das mag zum Teil mit daran gelegen haben, dass zwei Autoren an diesem Werk arbeiteten. Doch auch wenn die Erzählweise schon etwas wirr für das Buch wirkt aber noch zu verschmerzen ist, so dürfte diese Erzählstruktur oder der Mangel daran, die Filmemacher vor einem großen Problem gestellt haben.

Nun habe ich alle sechs Teile gesehen und muss sagen, meine Bedenken waren zu weiten Teilen überflüssig. Die Serie hält sich sehr nah am Buch, teilweise werden ganze Absätze aus dem Buch in der Serie verwendet und zitiert. Bei den Dialogen werden diese von den darstellenden Charakteren in meist perfekter Intonierung gesprochen, auch wenn in wenigen Einzelfällen die Worte einem anderen Charakter in den Mund gelegt werden. Mehrmals werden auch Worte des Erzählers durch einen Charakter vorgebracht. Jedoch wirkt dies nie fehl am Platz, sondern fügt sich sehr gut in die Geschichte ein. Ab und an wird dennoch ein Off-Erzähler verwendet. Dies harmoniert im Großen und Ganzen noch recht gut, wobei ich finde, dass der Anteil des Erzählers auch nicht hätte größer sein sollen.

Sehr schön ist auch der collagenhafte Anfang zum Ursprung der Erde, der auch für Nicht-Kenner des Buches, einen schönen Einstieg in die humoristische Welt der Geschichte liefert. Sie hat mich ein wenig an Monty Python erinnert, aber sehr viel mehr noch an die BBC-Version von Per Anhalter durch die Galaxis.

Der Plot wurde im Vergleich zum Buch teilweise etwas umsortiert, was sich aber nur positiv auswirkt. Ebenso profitiert die Serie von einigen Szenen, die so im Buch nicht vorkamen und etwas mehr Licht auf die gemeinsame Vergangenheit von Crowley und Arziraphale werfen. Eine dieser neuen Szene hat mich allerdings mit ihrer Art etwas überrascht und hat mich etwas aus der Lockerheit der restlichen Serie gerissen.

Spätestens ab der dritten Folge wird klar, dass des Öfteren mehrere Szenen des Buches für den Film zu einer zusammengefasst wurden, was ich hier allerdings auch nicht störend finde und was nur dafür sorgt, dass die Geschichte einen besseren Fluss beibehält.

Good Omens

Im Gegensatz zum Buch erhalten Crowley und Arziraphale noch einen größeren Fokus, was aber ziemlich gut funktioniert. Etwas schade ist, dass die Abenteuer von Adams Bande ein wenig kürzertreten müssen und man so die verschiedenen Charaktereigenschaften der Kinder weniger in ihren Äußerungen als vielmehr in ihrem Äußeren überzeichnet darstellt. Insbesondere, da die Kinderdarsteller eine hervorragende Wahl darstellten und eine überragende Leistung ablieferten. Der Charakter von Pepper, dargestellt von Amma Ris, war Spot-On.

Was den Cast betrifft, so kann man mit den schauspielerischen Leistungen der Darsteller (fast) nur zufrieden sein. Natürlich brillieren hier David Tennant als Crowley und Michael Sheen als Arziraphale, aber auch hätte es kaum eine bessere Wahl für Sergeant Shadwell als Michael McKean und Jon Hamm als Erzengel Gabriel geben können. Letzterer wird im Buch im Übrigen nur ein einziges Mal erwähnt, während er in der Serie eine etwas größere Rolle spielt. Die Rollen von Himmel und Hölle wurden im Vergleich zum Buch insgesamt etwas angehoben, dienen letztendlich aber nur dazu um die Geschichte zwischendurch spannender zu halten und den Fokus mehr auf die bekannten Charaktere zu legen. Große neue Subplots, wie vor Release stellenweise spekuliert wurde, darf man hier also nicht erwarten.

Mit dem gesamten Cast bin ich sehr zufrieden. Falls ich mit vorgehaltener Waffe gezwungen wäre einen Schwachpunkt zu nennen, so würde ich vermutlich auf Adria Arjona als (erwachsene) Anathema Device festlegen. Sie macht ihre Rolle gut, aber irgendwie stimmte die Chemie oder das Herzblut hier meiner Meinung nach nicht so ganz, so dass der Funke zu mir nicht richtig überspringen wollte.

Das Finale ist im Vergleich zum Buch leicht(!) abgeändert oder erweitert und die Serie spendiert noch einen zusätzlichen Epilog. Bei beiden ist es vermutlich Geschmackssache wie man dazu steht. Eines der beiden (welches lasse ich offen) finde ich gelungen, beim anderen verstehe ich die Notwendigkeit dafür, die durch die Adaption entstand, denke aber, man hätte hier mehr machen können...

Kommen wir zur visuellen Ausstattung und zu den Special/Visual-Effekten, mein anderer Sorgenpunkt. Nun es ist nicht zu leugnen, dass an einigen Stellen die Effekte etwas künstlich/billig wirken. Dies beschränkt sich jedoch auf sehr viel weniger Stellen, als ich nach den Trailern befürchtet hatte. Bei einigen Sequenzen wurde anscheinend im Vergleich zum Trailermaterial noch einmal nachbearbeitet, so dass es sich in die finale Fassung gut einfügt. An sehr vielen anderen Stellen fand ich die Effekte der Nachbearbeitung sehr gelungen und überzeugend. Aber auch neben den CGI-Effekten haben die Macher der Serie visuell eine sehr gute Arbeit gemacht. Von den Kostümen der Darsteller, den Masken von Crowley und noch mehr den anderen gefallenen Engeln, zu den Kulissen. Die Stimmung des Buches wird super eingefangen, so dass es auch gar nicht stört, dass die Handlung einige Jahre in die Zukunft versetzt wurde. Besonders erwähnen muss ich in diesem Abschnitt zum Abschluss noch einen visuellen Effekt, den ich wirklich perfekt passend finde: Bei größeren Szenenwechseln, zum Beispiel wenn im Buch durch einen neuen Tag ein neues Kapitel beginnt, klatschen in der Serie Schilder gegen die Kamera, mit der entsprechenden Beschriftung. Ein einfacher, aber wirkungsvoller Kniff, um dies dem Zuschauer zu erklären und eine gute Lösung der Adaption.

Zu einer Person, die im Buch nicht auftaucht, aber eine wichtige Rolle spielt, bin ich allerdings noch gar nicht gekommen. Was wäre Ein gutes Omen schließlich ohne Freddie Mercury und den ganzen Queen-Referenzen. Hier hat der für Musikverantwortliche David Arnold perfekte Arbeit geleistet. Glücklicherweise konnten für Good Omens die Lizenzen für diverse Lieder von Queen erworben werden und finden ihren Auftritt in der Serie und tragen so zu mindestens einem Gag bei, bei dem ich lauthals lachen musste. Sogar die Rechte zu Bohemian Rhapsody konnten erworben werden, was in Anbetracht des gleichnamigen Kinofilms dieses Jahr keine Selbstverständlichkeit war. Es war wohl angeblich so, dass nur durch den Wechsel des Regisseurs bei Bohemian Rhapsody und dem dadurch entstehenden Zweifel, ob der Film ein Erfolg werden würde, die Lizenzen nochmals an Good Omens verkauft wurden. Wäre im Voraus bekannt geworden, dass Bohemian Rhapsody mehrere Oscars gewinnt, so wäre Good Omens wohl um das Queen-Lied ärmer gewesen. Oder es wäre gar nicht zustande gekommen, da das als Lied als so zentral für eine wichtige Szene erachtet wurde, dass ohne die Lizenzen, das gesamte Projekt nochmal überdacht worden wäre.

Glücklicherweise befinden wir uns in dieser Hose der Zeit und können diese gelungene Adaption genießen. Klare Empfehlung!

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